Taufe des Herrn 2012 (Grundlsee, Gößl,
und Altaussee)
So wie Dreikönig ist auch die Taufe des Herrn ein Epiphanie-Fest
, d. h. ein Fest der Erscheinung des Herrn. Die Taufe Jesu zeigt, wer dieser Jesus von Nazareth ist, was seine Berufung und Sendung ist. Unsere Taufe zeigt, wer wir sind, was unsere Berufung und Sendung ist.
Schauen wir darum näher hin auf das
heutige Sonntags-Evangelium: Was steht da an Aussagen über Jesus Christus drin?
Und was steht da über uns drin, die wir auf seinen Namen getauft worden sind?
Was lesen wir also im Evangelium über Jesus den Christus? Und was können wir da
über uns als getaufte Christen heraus lesen?
1. Zuerst einmal fällt auf, dass sich
Jesus ganz normal und ganz bewusst anstellt, um sich von Johannes wie viele
andere Menschen auch taufen zu lassen. Er stellt sich damit in eine Reihe mit
den Sündern, denn Johannes tauft die Menschen ja im Jordan
zur Vergebung ihrer Sünden. Jesus
lässt sich von Johannes taufen, er lässt sich untertauchen in den Fluten des
Jordan. Das sagt uns, dass er wirklich und ganz unser Bruder geworden ist. Er
ist auch bereit zum Untergehen, zum Sterben. Er ist bereit, das Lamm Gottes
zu sein, das die Sünde der Welt hinweg nimmt.
Das Dramatische dieses Geschehens geht
uns leider oft gar nicht so recht auf. Denn unter einem
„Lamm“ verstehen die meisten
heute ja ein liebes, sanftes, kuscheliges Tier. Treffender wäre es, wenn wir
sagen:
Jesus ist so ein Schaf, das
freiwillig die Leiden auf sich nimmt, das freiwillig die Sünden der Welt auf
sich nimmt. Vielleicht sollten wir es sogar noch etwas dramatischer ausdrücken,
indem wir die beiden Tiere von der Krippe hernehmen und sagen:
Jesus selbst ist der Esel, der
sich geduldig die Last der Schuld auferlegen lässt, der sie trägt und erträgt.
Jesus selbst ist der Ochs, der
sich für uns opfert. Für uns heißt das
darum, dass wir, wenn wir getauft sind, auf Christi
Tod und auf seine
Auferstehung getauft sind! Immer
wieder sollten wir bedenken, welch hohen Preis er bezahlt hat, damit wir das
Leben haben. Die Taufe ist für uns so etwas wie eine zweite Geburt. Daher wird
die Taufe ja in der Theologie als
„Wiedergeburt aus Wasser und Hl. Geist“ bezeichnet: So wie uns unsere
Mutter das irdische Leben schenkt, so schenkt uns unsere geistig-geistliche
„Mutter“, die Kirche, in der Taufe das
neue Leben in Christus. Durch die Taufe werden wir – wie die
Kirchenväter gesagt haben – mit Christus ins Paradies zurück versetzt.
2. Ein zweiter Gedanke: Weil
Jesus in den Jordan hinab gestiegen und im Wasser des Jordan untergetaucht
worden ist, darum ist das Wasser ein besonders geheiligtes Element.
Wasser ist viel mehr als „H2O“. Wasser ist das Lebenssymbol für dieses irdische
Leben und für das ewige Leben.
Wo Wasser ist, da ist Leben. Zu 2/3
besteht die Erde aus Wassser, zu 2/3 besteht jeder Mensch aus Wasser. Wasser ist
das Urelement schlechthin und das Symbol des Lebens: „Aus dem Wasser kommen wir
und zum Wasser kehren wir zurück!“ haben die Kirchenväter gesagt. Franz von
Assisi hat es liebevoll „la sorella“
genannt – Schwester Wasser. Und der griechische Dichter Pindar meint in einer
seiner Olympischen Oden: „Das Köstlichste
aber ist das Wasser!“
So wie also einst dem Wasser das
natürliche Leben entstiegen ist, so entsteigt dem Wasser der Taufe das
übernatürliche Leben. Und so wie wir unser irdisches Leben unserer Mutter und
der Geborgenheit in ihrem Fruchtwasser vor der Geburt verdanken, so verdanken
wir unsere zweite Geburt unserer geistlichen Mutter, der Kirche. Sie hat uns in
der Taufe aus dem lebendigen Wasser und aus Hl. Geist wiedergeboren. Seitdem
sind wir Christen, gehören wir zur neuen Familie Gottes, zur weltweiten
Gemeinschaft aller Schwestern und Brüder in Christus.
3. Ein weiterer Gedanke: Im
Evangelium von der Taufe Jesu heißt es auch, das sich bei seiner Taufe der
Himmel über ihn geöffnet hat.
Das ist auch für uns bei unserer Taufe geschehen: Seit der Taufe steht uns die
Weite und die Fülle der Möglichkeiten Gottes offen. Seither brauchen wir nicht
mehr nur auf uns und unsere Möglichkeiten zu setzen. Wir dürfen uns gelassen
Gott und seinen Möglichkeiten überlassen. Wir können auf die Möglichkeiten Jesu
Christi setzen. Wir können auf Ihn bauen und mit den Möglichkeiten der Kirche
rechnen. Die Kirche ist es ja, die durch ihre sieben Sakramente in allen
entscheidenden Lebenssituationen ein Zeichen setzen kann, ein Sakrament, d. h.
ein Zeichen der Nähe und der Liebe Gottes.
4. Dann hat es im Evangelium geheißen,
dass der Hl. Geist auf Jesus
herabgekommen ist. Er ist daher der Christus, d. h. der mit der Fülle des Hl.
Geistes Gesalbte. Er ist der geistgesalbte Priester, König und Prophet.
Auch das ist uns wiederum bei der
Taufe gegeben und aufgegeben worden:
Auch wir sind alle in der Taufe mit
dem Hl. Geist gesalbt worden zum Priester, König und Propheten. Seither sind wir
„gekrönte Häupter“, geadelt durch die
Taufe, durch das Geschenk des Glaubens.
Gabe ist aber bekanntlich immer auch
Aufgabe, Adel verpflichtet, noblesse
oblige! Darum darf kein Christ zu
klein von sich und von der Taufe denken. Kein getaufter Christ sollte sein Licht
unter den Scheffel stellen.
5. Das Wort, das der Vater über seinen
Sohn vom Himmel her gesprochen hat, dieses Wort hat Gott auch zu einem jeden und
zu einer jeden von uns gesprochen: „Du
bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, mein liebes Kind!“
Nach dem Sprachgebrauch der Bibel
heißt „geliebter Sohn“ auch „einziger Sohn“. Für uns heißt das, dass wir für
Gott einzigartig sind,
einmalig, unverwechselbar. Er kennt jede(n) von uns mit Namen! Er hat auf uns
alle seine Hand gelegt und „ja“ zu uns gesagt. Dass Gott uns so sieht, dass er
uns so ansieht, das ist das Ansehen auf das es letztlich ankommt.
Dieses ganz persönliche Wort der
Zuneigung hat Gott bei der Taufe zu uns allen gesprochen. So wie Vater und
Mutter oder wie Großeltern und Geschwister sich freuen und stolz sind auf ihr
(Enkel-)Kind, den Bruder oder die Schwester, so hat Gott an uns allen Gefallen
gefunden. Lassen wir uns das gesagt sein, ein für alle Mal. Lassen wir es uns
einfach gefallen, dass wir Gott so sehr gefallen. Amen.