„Taufe des Herrn“ (Predigt am 9.
Jänner 2011)
Am Schluss der Weihnachtsfestzeit
möchte ich ein kleines aber wichtiges Zeichen der hl. Weihnacht in Erinnerung
rufen – es ist die Kniebeuge bzw. die
Verneigung beim Glaubensbekenntnis! Zur Verkündigung der Geburt Jesu und
beim Fest seiner Geburt machen wir beim Credo dieses kleine aber wichtige
Zeichen – eine Kniebeuge oder eine Verneigung. Wir ahmen damit die Bewegung
Gottes nach, der sich klein gemacht hat, der herunter gekommen ist im wahrsten
Sinn des Wortes: Jesus Christus ist
dieser „heruntergekommene“ Gott.
Der Gottessohn ist der Mariensohn. Der ewige Logos liegt mitten unten den
alogischen Wesen Ochs und Esel. Was für eine
„Karriere nach unten“ – um es mit
einem schönen Wort von Charles de
Foucauld auszudrücken!
Vom Frankfurter Priester und
Schriftsteller Lothar Zenetti stammt folgender kritischer Text, der genau
zu diesem Thema passt:
„Der-da-oben wollte ein Beispiel geben,
aus Liebe, sagt er – und ist Der-da-unten
geworden.
Seine Gefühle in Ehren, aber wo kämen wir
hin…
Man kann doch nicht einfach alles auf den
Kopf stellen!
So haben wir die Sache wieder in Ordnung
gebracht,
haben ihn, Den-da-unten,
am Kreuz erhöht, in den Himmel erhoben.
Das war nicht ganz einfach.
Jedenfalls ist er nun wieder da,
nämlich oben, wo er hingehört,
Der-da-oben.“
Der-da-oben ist Der-da-unten
geworden. Er hat sich für eine „Karriere
nach unten“ entschieden. Das ist zur Weihnacht besonders dramatisch zu
sehen, wenn der ewige Sohn des Vaters als sterbliches Kind in der Krippe liegt
in einem Stall in einem Kaff am Rand des römischen Reiches.
Diese
„Karriere nach unten“ wird immer
wieder im Leben Jesu deutlich: wenn er auf der Flucht ist nach Ägypten, wenn er
seinen Eltern gehorsam ist und so im Lauf der Jahre zunimmt an Kraft und
Weisheit, wenn er 30 Jahre ein verborgenes Leben als Sohn des Zimmermannes Josef
in Nazareth lebt, wenn er bei seinem Auftreten nichts hat, wohin er sein Haupt
legen könnte, wenn er seinen Jüngern beim Letzten Abendmahl zum Abschied nicht
den Kopf sondern die Füße wäscht, wenn er vor seiner Hinrichtung am Kreuz von
Freunden verraten und verleugnet wird, wenn er brutalst misshandelt wird, wenn
er wie ein Verbrecher entblößt am Kreuz hängt und verhöhnt wird, und wenn er
nach seinem Tod in die tiefsten Tiefen der Unterwelt hinabsteigt um Adam und Eva
und damit alle Verstorbenen heraufzuführen ins Licht und ins Leben.
Was für eine Karriere nach unten! Da
kann man sich nur verneigen, da muss man als gläubiger Mensch einfach
niederknien. Der-da-oben ist wirklich Der-da-unten geworden. Der Weg und damit
das Beispiel Jesu, das ist einfach zum Niederknien!
Jesu „Karriere nach unten“ ist
auch bei seiner Taufe deutlich zu erkennen:
Jesus stellt sich in die lange Reihe
der Sünder, die von Johannes die Taufe erbitten zur Sühne und zur Vergebung
ihrer Sünden. Der Messias stellt sich wie alle anderen Sünder an, um vom
Wegbereiter Johannes getauft zu werden. Jesus steigt zu Johannes hinunter in den
Jordan und lässt sich von ihm taufen, d.
h. untertauchen. Darin liegt eine tiefe Symbolik, denn
Wasser ist bekanntlich viel
mehr als bloß H2O: Wasser belebt und reinigt!
Das Wasser des Jordan
steht für das Versagen, für die Sünde und die Schuld der Menschen. Ganz bewusst
steigt Jesus in dieses Wasser hinab, taucht unter und lässt sich taufen.
Überdeutlich verkündet er damit, dass es nichts gibt, aber auch schon wirklich
nichts, wo nicht die Gegenwart Gottes erfahren werden kann. Gott ist tatsächlich
Gott! Er ist Jahwe, d. h. der, der uns zuruft:
„Ich bin da, wo
du bist!“ (Eli Wiesel)
Er ist der, der uns sagt:
Und wenn du ganz unten bist, wenn du tief
verstrickt bist in Schuld und Sünde – ich bin da, ich bin bei dir. Ich verlasse
dich nicht, ich bin dein Gott.
Von dieser Symbolik her ist es gut zu
verstehen, dass die Taufe Jesu im Jordan auch eine wichtige Stelle für die
Beichttheologie geworden ist: die Taufe ist bekanntlich das erste und
grundlegende Sakrament der Umkehr und der Versöhnung. Die Beichte aber ist so
etwas wie ein Rettungsring, der den Schiffbrüchigen zugeworfen wird. Die Beichte
ist wie eine rettende Planke, die die ergreifen sollen, die nach der Taufe
irgendwie mit ihrem Glauben Schiffbruch erlitten haben. – Und wer von uns hat
das nicht? Und wer von uns hat diesen Rettungsring nicht von Zeit zu Zeit nötig?
Taufe und Beichte haben mit
Ehrlichkeit und Bescheidenheit zu tun, mit dem Eingeständnis, dass wir nicht
alles selber leisten können, dass wir uns nicht selber erlösen können, dass wir
uns nicht selber von unseren Sünden lossprechen können. Aber wir können es uns
sagen lassen! Wenn wir das tun, dann wird sich auch über uns der Himmel öffnen.
Dann werden wir die Stimme Gottes hören, die uns von oben oder aus dem Inneren
unseres Herzens sagt: „Du bist mein
geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. An dir hab ich Gefallen gefunden. Glaub
mir, du gefällst mir!“
Ausgangspunkt der heutigen Predigt
war die Kniebeuge bzw. Verneigung beim Credo zur Weihnacht. Ausgangspunkt war
Weihnachten, die Menschwerdung des Sohnes Gottes, seine unfassbare „Karriere
nach unten“. An den Schluss der Predigt möchte ich das Wort eines Weisen
stellen. Er wurde einmal gefragt, warum denn die Menschen heute viel seltener
als früher Gott finden. Seine Antwort:
„Wohl deshalb, weil sich heute viel zu wenige tief genug beugen!“ – Gott lässt
sich finden, aber man muss sich bücken, man muss sich tief genug bücken! Amen.