Sonntag der
Weltkirche (29. So,
Lj A)/Kirchweihe in St. Leonhard am 23. 10. 2011
Heute ist in der
katholischen Kirche weltweit der Sonntag der Welt-Kirche. Aus dieser weltweit
größten internationalen Solidaritäts-Aktion dürfen wir uns einfach nicht
ausklinken - auch nicht, wenn wir hier und jetzt in der altehrwürdigen
Fuhrleit-Kira St. Leonhard das Erntedank- und Kirchweih-Fest begehen! Die
Christenheit ist bekannt-lich weltweit die größte Glaubensgemeinschaft, sie ist
auch weitweit mehr denn je die größte Solidaritäts-Gemeinschaft. Darauf
haben unsere Bischöfe in ihrem Hirtenwort einleitend und vollkommen zu Recht
hingewiesen. Ich möchte heute wieder einmal eine sehr
„katholische“ Predigt halten, d. h.
eine Predigt, in der es einmal mehr um das berühmte katholische UND geht. Nicht
das „Entweder, oder“ ist typisch katholisch, sondern das „Sowohl, als auch“! Es
geht darum, das Eine zu tun und das Andere nicht zu lassen. Biblisch bzw.
jesuanisch gesagt: „Was Gott verbunden
hat, das darf der Mensch nicht trennen!“
Was Gott verbunden hat, das
soll auch die Kirche nicht trennen! Ganz konkret geht es mir heute um ein
zweifaches UND: Das erste UND finden wir schon im Titel des heutigen
Sonntags: „Welt-Kirche“, Welt UND
Kirche - es geht also um diese Beziehung zwischen Kirche UND Welt, es geht um
dieses Begriffspaar Welt UND Kirche. Das zweite UND finden wir in der Lesung und
im Evangelium dieses Sonntags: Es ist das sog. Hauptgebot der Liebe, die Liebe
zu Gott UND die Liebe zum Nächsten, es geht um Gottesdienst UND Menschendienst.
Auch hier gilt der Auftrag der Bibel, das Wort Jesu:
„Was Gott verbunden hat, das darf der
Mensch nicht trennen!“ Wir dürfen nicht auseinanderdividieren, was
zusammengehört. Wir dürfen nicht gegeneinander ausspielen, was Christus für
gläubige Christen so wunderbar zusammengefügt hat.
1.) Schauen wir
nun etwas näher hin auf das erste UND, auf dieses erste Begriffspaar: Welt und
Kirche, Kirche und Welt. Beides gehört zusammen,
beides gehört unterstrichen und betont, beides gehört in einem Atemzug genannt.
Einer der schönsten Namen für die Kirche ist für mich der lateinische Ausdruck
„sacramentum mundi“.
Sacramentum mundi heißt übersetzt:
Sakrament für das Heil der ganzen Welt.
Das ist Wesen und Sendung der katholischen Kirche. Ihr muss es im Unterschied zu
den Sekten und Freikirchen immer um ALLE gehen, um die ganze Welt, um das Heil
und die Heilung aller und nicht nur einer kleiner Herde, einer Schar von
Auserwählten oder besonders Begnadeten. Alles Sektenhafte, alles Exklusive, alle
Enge muss unserer Kirche fern sein, will sie katholisch sein, will sie das
sacramentum mundi bleiben. Eine der
schönsten lateinischen Messen ist und bleibt die erste Choralmesse, die sog.
„missa mundi“. Ob man diesen
Gottesdienst nun in Europa feiert, in Asien, Afrika oder Lateinamerika, immer
spürt man sofort die Weite dieser Feier. Man ahnt etwas von der Kraft und
Universalität der katholischen Kirche. Man begreift, dass jeder katholische
Gottesdienst eine „missa mundi“ ist –
kein Kreisen um uns selbst, sondern Dienst am Heil und an der Heilung der Welt.
Zu diesem Dienst gehört
daher die selbstkritische Frage: Inwieweit hat die Welt mit ihren Sorgen und
Nöten, mit ihren Hoffnungen und Freuden in unserem Gottesdienst einen Platz?
Kommt die Welt, kommt unsere Gesellschaft in der Kirche vor – oder lassen wir
sie draußen vor der Tür, vor der Kirchtür, so wie der reiche Prasser den armen
Lazarus draußen liegen gelassen hat…
Seit vielen Jahren gibt es
am heutigen Sonntag die weltweit größte Solidaritäts-Aktion, den
Sonntag der Weltkirche: Heute wird in allen katholischen Pfarren der 3600
Diözesen weltweit für die 1000 ärmsten Diözesen der Welt gebetet und gesammelt!
Als besonderer Schwerpunkt
der heurigen Aktion ist das Land
Nicaragua ausgesucht worden: Korruption gefährdet dort die Demokratie,
Gewalt beherrscht viele Familien und Analphabetismus verhindert oft ein
menschenwürdiges Leben.
Papst Johannes-Paul II.
hat bereits vom nahen Tod gezeichnet eine berührende Botschaft für den Weltmissions-Sonntag geschrieben. Er hat damals von einem dreifachen Hunger der Menschen gesprochen: erstens vom Hunger nach Jesus Christus, den die Menschheit braucht wie das tägliche Brot; zweitens vom Hunger nach einer Kirche, die zu Christus führt, die mit Christus vereint und die dazu bestimmt ist, Brot zu sein, Brot für das Leben der Welt; der dritte Hunger der Menschheit gilt den Missionaren, gilt authentischen Zeugen des Glaubens, gilt den Getauften, die nicht müde werden, das Wort Jesu Christi ernst zu nehmen: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Kraft der Taufe haben wir alle den Auftrag zur Mission, die Berufung MissionarIn zu sein!
Kirche UND Welt - beide
gehören zusammen, beide gehören in einem Atemzug genannt. Kirche ist
sacramentum mundi. Und jeder
katholische Gottesdienst ist so etwas wie eine
missa mundi. Der heutige Sonntag der
Weltkirche kann uns das neu bewusst machen.
2.) Das zweite
UND, das zweite Begriffspaar ist das der Gottes- und der Nächstenliebe:
Das zweite UND steht also verbindend und verbindlich für das
eine Hauptgebot der Liebe. Jesus Christus hat damit alle 613 Gebote und Verbote
der hl. Schrift souverän miteinander verbunden. In seiner Nachfolge als Christen
können wir daher von der Gottes- und der Nächstenliebe nur mehr in einem Atemzug
sprechen.
Im Hebräischen bedeutet
dieses Wort „gleich“ nicht „ähnlich“,
auch nicht „gleichrangig“. Gleich meint so viel wie
„gleichbedeutend“. D. h.: Das zweite
Gebot erklärt das erste, das zweite konkretisiert das erste. Eigentlich
geht’s nur um ein Gebot: Gott zu
lieben mit ganzem Herzen, mit all unseren Gedanken und all unserer Kraft. Und
das zeigt sich dann ganz konkret, wenn wir die Nächsten lieben wie uns selbst.
Da erst wird’s konkret, da erst bekommt die Liebe Hand und Fuß, Fleisch und
Blut.
Die Lesung aus dem
Buch Exodus war da ja deutlich genug:
Gott lehnt deine Gebete und Gottesdienste
ab, wenn dir gleichzeitig nicht die Fremden, die Armen, die Witwen und Waisen
ein Herzensanliegen sind! Es ist sogar davon die Rede gewesen, dass er
zornig wird, wenn jemand seine Nähe sucht, dabei aber den Bruder in der Not
ignoriert, wenn er der Schwester, der es schlecht geht, nicht beisteht.
Ein vernünftiger
Gottesdienst ohne Menschendienst ist nicht möglich!
Was Gott in seinem Sohn Jesus Christus also ein für allemal verbunden hat, das
dürfen wir nicht trennen.
Und dazu hat im Jahr 1925
Papst Pius XI. ein starkes Zeichen gesetzt: Er hat just eine Ordensfrau zur
Patronin für die katholische Mission ernannt. Pius XI. hat die Karmelitin
Terese von Lisieux zur Patronin für die katholische Mission erhoben.