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Pfarrkirche St. Paul in Bad Aussee

Die romanisch-gotische Pfarrkirche zum Heiligen Paulus (Hochfest ist Pauli-Bekehrung oder „der kalte Paul“, am 25. Jänner) mit seinem grandios in die Ausseer Landschaft hineingepassten Turm ist eine überwältigende Anlage in ihrem äußeren Eindruck. Die innere Raumwirkung der Kirche besitzt eine unwahrscheinliche Steigerung vom wuchtigen romanischen Westwerk bis zur eleganten Lösung des hochgotischen Chores im Osten.

 

BAUGESCHICHTE

Die urkundliche Nennung der Ausseer Pfarrkirche um 1301 hinkt den neuesten baulichen Beweisstücken nach. Die Ausgrabungen bei der Kirchenrenovierung von 1983 brachten den Erweis, dass bereits vor 1200 die romanische Kirche stand. Es war dies eine 2jochige, flachgedeckte Kirche mit einem gewaltigen rechteckigen Chorabschluss als Chorturm ausgebaut. Die Fundamente dieses Chores sind unterhalb des Fußbodens noch vorhanden. Das heißt, dass die romanische Kirche die Ausmaße der heutigen Kirche ohne Altarraum hatte.

Im 15. Jhd., Aussee war noch Filiale von Traunkirchen, beginnt die spätgotische Bauperiode, welche durch eine Ablassverleihung Papst Martin V. von 1426 bezeugt ist. Im Jahr 1464 war die gotische Einwölbung der romanischen Kirche vollzogen und der Chorturm abgetragen und die Kirche um zwei gotische Joche erweitert worden. In dieser Zeit ist auch der heutige Turm schon fertig und mit einem Geläute versehen worden (gestiftet von Friedrich II.). Der Höhepunkt der gotischen Bauperiode schließt 1498 mit dem des Chores mit seinem herrlichen 5/8-Abschluss, dem Sterngewölbe und der Einbeziehung der Frauenkapelle und einer neuen Sakristei über dem ehemaligen Karner. Unterhalb der Frauenkapelle ist die Allerseelenkapelle noch vorhanden mit einer aus Ziegeln gemauerten Altarmensa zwischen den beiden Bögen zum Karner unterhalb der Sakristei. Ebenso erhalten ist der alte ausgebesserte Ziegelboden und die Staffeln vom vermauerten Eingang in diese Kapelle. Die 1804 bzw. 1853 angebaute neue Sakristei im Osten verdeckt leider die Strebepfeiler und das noch zur Gänze erhaltene spätgotische Mittelfenster.

DAS KIRCHENINNERE

Durch das südliche Hauptportal betritt man das Kircheninnere und es empfängt einem der einzige Barockaltar unserer Kirche, der Annaaltar. Er wurde als Pest- oder Leopoldsaltar von Anton v. Crollolanza 1726 gestiftet. Als 1891 der alte Annaaltar aufgelassen wurde, hat man das künstlerisch wertvollste Ölbild des Ausseerlandes entfernt und ein neues Annabild von der Künstlerin Karoline Schwach malen lassen.  Das Leopoldi-Bild von diesem Altar hängt heute im Pfarrhof und ist wahrscheinlich ein Kremser-Schmidt (Ende 18.Jhd.). Die herrlichen Figuren stellen Karl Borromäus und den Apostel Petrus und den Hl. Josef und Antonius v. Padua dar. Die Krönung des Altares ist die Darstellung der herrlichen Sonntagberger Dreifaltigkeit.

Im westlichen Joch des romanischen Schiffes ist der gotische Musikchor eingebaut, der etwas vorgezogen wurde und auf zwei marmorierten Holzsäulen in klassizistischer Manier aufruht. Die gotische Stiege führt zum Chor mit der neuen Rieger-Orgel aus dem Jahr 1983.

Am Westpfeiler, dem Übergang zum gotische Mittelschiff, befindet sich die klassizistische Kanzel von Fortschegger aus dem Jahr 1782 mit den Reliefdarstellungen: Christus als Sämann, der reiche Fischfang und die Arbeiter im Weinberg des Herrn.

Die Taufkapelle wurde 1735 angebaut. Vor dem Altar mit den barocken Statuen Zacharias und Elisabeth steht ein neugotischer Taufbrunnen. Rechts von der Taufkapelle hängt eine gute Kopie des Innsbrucker Mariahilfbildes von Lucas Cranach.

Das Sakramentshäuschen aus dem Jahr 1523, aus rotem Salzburger Marmor gemeißelt, ist 10 m hoch und die „Charta“ des Ausseerlandes. Es ist die geistige Auseinandersetzung des Volkes dieser Landschaft in einer Zeit geistigen Umbruches. Noch gotisch in seinem Aufbau aber schon Renaissance in seiner Aussage. Der Höhepunkt ist das Gehäuse mit dem Allerheiligsten. Die vordere Gittertür ist empire (1821) und die hintere Gittertür noch original-gotisch. Der figurale Plastikschmuck ist der Erlöser mit Kreuz, Kelch und Lamm, eine prachtvolle spätgotische Madonna und zu oberst der Schmerzensmann. Getragen wird das Ganze vom herrlichen Sockel mit Salzkufen. Das Werk ist ziemlich gesichert vom Ausseer Steinmetz Engelprecht.

Den Chorabschluss bildet das Bild „Pauli Bekehrung“ vom spätbarocken Hochaltar mit den beiden Statuen des Hl. Josef und des Hl. Antonius von Padua. An der Stirnseite des Seitenschiffes befindet sich der Florianialtar aus dem Jahr 1801, mit dem alten Ortsbild von Bad Aussee.

Über der Sakristei hängt eine spätgotische Kreuzigungsgruppe. Vom Seitenschiff betritt man auf 7 Stufen die Frauenkapelle, welche mit Stuck aus der Frühzeit des Rokoko und mit zierlichen Fresken versehen ist. Dort steht im Rahmen des zarten barocken Altares die „Schöne Madonna“ aus dem ersten Viertel des 15. Jhd. Sie ist verwandt mit der Krumauer Madonna und der Hallstätter Madonna. Es ist eine Steingussfigur der Muttergottes mit dem Kind, das diese voll Liebe über den prächtigen Schüsselfalten ihres Gewandes dem Volke zeigt.

Text: "Kleiner Kirchenführer der Pfarre zu Bad Aussee v. Prof. Peter Rack