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BAUGESCHICHTE
Die urkundliche Nennung der
Ausseer Pfarrkirche um 1301 hinkt den neuesten baulichen Beweisstücken
nach. Die Ausgrabungen bei der Kirchenrenovierung von 1983 brachten den
Erweis, dass bereits vor 1200 die romanische Kirche stand. Es war dies
eine 2jochige, flachgedeckte Kirche mit einem gewaltigen rechteckigen
Chorabschluss als Chorturm ausgebaut. Die Fundamente dieses Chores sind
unterhalb des Fußbodens noch vorhanden. Das heißt, dass die romanische
Kirche die Ausmaße der heutigen Kirche ohne Altarraum hatte.
Im 15. Jhd., Aussee war noch
Filiale von Traunkirchen, beginnt die spätgotische Bauperiode, welche
durch eine Ablassverleihung Papst Martin V. von 1426 bezeugt ist. Im
Jahr 1464 war die gotische Einwölbung der romanischen Kirche vollzogen
und der Chorturm abgetragen und die Kirche um zwei gotische Joche
erweitert worden. In dieser Zeit ist auch der heutige Turm schon fertig
und mit einem Geläute versehen worden (gestiftet von Friedrich II.). Der
Höhepunkt der gotischen Bauperiode schließt 1498 mit dem des Chores mit
seinem herrlichen 5/8-Abschluss, dem Sterngewölbe und der Einbeziehung
der Frauenkapelle und einer neuen Sakristei über dem ehemaligen Karner.
Unterhalb der Frauenkapelle ist die Allerseelenkapelle noch vorhanden
mit einer aus Ziegeln gemauerten Altarmensa zwischen den beiden Bögen
zum Karner unterhalb der Sakristei. Ebenso erhalten ist der alte
ausgebesserte Ziegelboden und die Staffeln vom vermauerten Eingang in
diese Kapelle. Die 1804 bzw. 1853 angebaute neue Sakristei im Osten
verdeckt leider die Strebepfeiler und das noch zur Gänze erhaltene
spätgotische Mittelfenster.
DAS KIRCHENINNERE
Durch das südliche
Hauptportal betritt man das Kircheninnere und es empfängt einem der
einzige Barockaltar unserer Kirche, der Annaaltar. Er wurde als Pest-
oder Leopoldsaltar von Anton v. Crollolanza 1726 gestiftet. Als 1891 der
alte Annaaltar aufgelassen wurde, hat man das künstlerisch wertvollste
Ölbild des Ausseerlandes entfernt und ein neues Annabild von der
Künstlerin Karoline Schwach malen lassen. Das Leopoldi-Bild von diesem
Altar hängt heute im Pfarrhof und ist wahrscheinlich ein Kremser-Schmidt
(Ende 18.Jhd.). Die herrlichen Figuren stellen Karl Borromäus und den
Apostel Petrus und den Hl. Josef und Antonius v. Padua dar. Die Krönung
des Altares ist die Darstellung der herrlichen Sonntagberger
Dreifaltigkeit.
Im westlichen Joch des
romanischen Schiffes ist der gotische Musikchor eingebaut, der etwas
vorgezogen wurde und auf zwei marmorierten Holzsäulen in
klassizistischer Manier aufruht. Die gotische Stiege führt zum Chor mit
der neuen Rieger-Orgel aus dem Jahr 1983.
Am Westpfeiler, dem Übergang
zum gotische Mittelschiff, befindet sich die klassizistische Kanzel von
Fortschegger aus dem Jahr 1782 mit den Reliefdarstellungen: Christus als
Sämann, der reiche Fischfang und die Arbeiter im Weinberg des Herrn.
Die Taufkapelle wurde 1735
angebaut. Vor dem Altar mit den barocken Statuen Zacharias und Elisabeth
steht ein neugotischer Taufbrunnen. Rechts von der Taufkapelle hängt
eine gute Kopie des Innsbrucker Mariahilfbildes von Lucas Cranach.
Das Sakramentshäuschen aus
dem Jahr 1523, aus rotem Salzburger Marmor gemeißelt, ist 10 m hoch und
die „Charta“ des Ausseerlandes. Es ist die geistige Auseinandersetzung
des Volkes dieser Landschaft in einer Zeit geistigen Umbruches. Noch
gotisch in seinem Aufbau aber schon Renaissance in seiner Aussage. Der
Höhepunkt ist das Gehäuse mit dem Allerheiligsten. Die vordere Gittertür
ist empire (1821) und die hintere Gittertür noch original-gotisch. Der
figurale Plastikschmuck ist der Erlöser mit Kreuz, Kelch und Lamm, eine
prachtvolle spätgotische Madonna und zu oberst der Schmerzensmann.
Getragen wird das Ganze vom herrlichen Sockel mit Salzkufen. Das Werk
ist ziemlich gesichert vom Ausseer Steinmetz Engelprecht.
Den Chorabschluss bildet das
Bild „Pauli Bekehrung“ vom spätbarocken Hochaltar mit den beiden Statuen
des Hl. Josef und des Hl. Antonius von Padua. An der Stirnseite des
Seitenschiffes befindet sich der Florianialtar aus dem Jahr 1801, mit
dem alten Ortsbild von Bad Aussee.
Über der Sakristei hängt eine
spätgotische Kreuzigungsgruppe. Vom Seitenschiff betritt man auf 7
Stufen die Frauenkapelle, welche mit Stuck aus der Frühzeit des Rokoko
und mit zierlichen Fresken versehen ist. Dort steht im Rahmen des zarten
barocken Altares die
„Schöne Madonna“ aus dem ersten Viertel des 15. Jhd. Sie ist
verwandt mit der Krumauer Madonna und der Hallstätter Madonna. Es ist
eine Steingussfigur der Muttergottes mit dem Kind, das diese voll Liebe
über den prächtigen Schüsselfalten ihres Gewandes dem Volke zeigt.
Text: "Kleiner Kirchenführer
der Pfarre zu Bad Aussee v. Prof. Peter Rack |