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Andreas-Kapelle
im Pfarrergarten in Bad Aussee

Sie kennen sicher den paradiesischen Garten hinter dem Bad Ausseer Pfarrhaus, eine weite Wiese mit Obstbäumen und Rosenstöcken. Im Hintergrund leuchtet seit einigen Wochen ein heller Holzbau im typischen Salzkammergutstil; ein Salettl, wie man es zur großen Zeit der Sommerfrische überall in dieser Region zimmerte. Bauen ließ es Dr. Markus Plöbst. Als privates Refugium? Als ruhigen Ort des Gespräches? Des Gespräches mit Gott? Ein Salettl Gottes?

Es ist eine Kapelle, dem Apostel Andreas geweiht, Bruder des Petrus und wie Petrus in seinem ersten Leben Fischer am See Genezareth. In seinem zweiten, von Jesus bestimmten Leben wurde er dann ein Menschenfischer.

Sie sollten zuerst die Rückseite der Kapelle betrachten: aus einer Steinmauer wächst der Holzbau, aufgerichtet von jungen Zimmerleuten Gottes, Schülern des Polytechnischen Lehrganges Bad Aussee unter der Leitung von Franz Amon. Der Giebel des Daches weist genau auf das Gipfelkreuz des Zinken. 1946 hat es Amons Vater Franz sen. als Dank fürs Überleben nach schwerer Zeit auf den Berg getragen.


Durch ein dreieckiges Fenster in der Steinmauer fällt Licht in die Rückseite der Kapelle, symbolisiert die Kraft Gottes, durch die der Mensch ins Leben tritt; ein Leben, das sich so wie die Kapelle – von der Innenseite der Steinwand gesehen – immer weiter öffnet. Deshalb auch ihr
konischer Grundriss. Das Licht fällt vorerst auf eine massive Eisentüre. Symbol für die Türe ins Leben? Symbol für die Lasten, die der Mensch in diesem Leben zu tragen hat? Vor der Türvorderseite dann der Torso eines an ein rohes Kreuz geschlagenen Menschen - Andreas starb ja wie sein Bruder Petrus als Märtyrer. Das Gesicht der gepeinigten Kreatur aber strahlt innere Ruhe und Festigkeit aus – ein Mensch, der seinen Frieden in Gott fand; trotz seines blutigen Todes – die Innenwände der Kapelle sind auch mit Tierblut getränkt.

Vor dem Torso des Apostels Andreas schwebt wie eine Krone ein schmiedeeisener Leuchter. Keine Dornenkrone, sondern eine mit Lorbeerzweigen geschmückte Krone. Lorbeer, unverwelkbar wie der Ruhm Gottes. Unter dem Luster eine alte Grabplatte, die man bei Grabarbeiten am Kirchenvorplatz fand.

Über drei schwebenden Steinen, die die Dreieinigkeit symbolisieren, schreitet der Besucher hinaus in den paradiesischen Garten, hinaus in die Schönheit der Schöpfung Gottes, die sein Leben lebenswert macht. Für den aber, der weiter sehen, weiter denken kann, erhebt sich über dem Pfarrhaus die steinerne Riesenmauer des Zinken. Als Mahnung an das unverrückbare Ende des Lebens, an den Tod. Das Kreuz auf der Bergspitze schenkt Hoffnung, erinnert daran, dass Gott nicht nur der Herr über das Leben, sondern auch über den Tod und die Auferstehung ist.

Die Kapelle entstand nach einer Idee von Markus Plöbst, als seine private Kapelle. Den Torso, die Schmiedeeisenarbeiten und alle anderen künstlerischen Arbeiten schuf der Bildhauer Ferdinand Böhme aus Bad Mitterndorf.

Text: Lutz Maurer