25. Sonntag im Jahreskreis C
2010-09-19
Der erste Weg ist das Nachdenken – das ist der edelste
Weg, sagt Konfuzius. Der zweite Weg zur Klugheit ist das Nachahmen – das ist
seiner Meinung nach der leichteste Weg. Der dritte Weg zur Klugheit ist die
Erfahrung – das aber ist der bitterste Weg meint Konfuzius. Vom ungerechten
Verwalter wird nicht gesagt, welchen Weg er gegangen ist, aber seine Klugheit
wird gelobt und die Klugheit der Kinder dieser Welt.
2. Geld und Gnade – auch dieses Thema soll kurz im
Zusammenhang mit dem heutigen Evangelium bedacht werden:
Geld und Gnade ist eine
interessante Kombination. Geld und Gnade ist freilich auch eine sehr belastete
Kombination, belastet durch die Kirchengeschichte, Gott sei Dank aber geläutert
durch das Feuer der Reformation, Luther sei Dank. Und trotzdem stammt gerade aus
dem Jahrhundert der Reformation ein geistreiches Wort einer großen Heiligen:
Theresia von Avila
schreibt in ihrem Klassiker „Wege der Vollkommenheit“ den Satz:
Geld ist der
Mist des Teufels – aber es ist ein wunderbarer Dünger!
Einerseits also ist Geld Mist, sogar Mist/Dreck des Teufels. Andererseits wird
dieser Mist gelobt und als
„wunderbarer Dünger“
bezeichnet.
Dahinter steht viel Wissen und Erfahrung.
Es ist ja tatsächlich so, dass es oft
ohne Geld ka
Musi und v. a. m nicht gäbe. Wenn es aber
irgendwo einen Geldsegen
gibt, dann kann viel Gutes geschehen. Geld-Segen – allein diese Wortkombination
sagt schon sehr viel! Erinnern wir uns nur im Ausseerland an Projekte, die nie
verwirklicht worden wären ohne großzügige Geldgeber. Auch ein „Projekt
Berta“ gäbe es nicht und auch nicht das
Projekt
„Ausseer Schulen für Afrika“, wenn es nicht
großzügige Geldgeber gegeben hätte. Geld und Gnade, Geld und Segen – das bleibt
eine nicht unproblematische Kombination. Aber es ist schon so wie im Evangelium:
aus etwas höchst Bedenklichem, ja aus einer eigentlich ziemlich miesen Sache
kann trotzdem etwas Gutes werden, aus Mist kann Dünger werden, wunderbarer
Dünger! Es ist schon der Rede und des Nachdenkens wert: Geld und Gnade, Geld und
Segen!
3. Mein dritter Gedanke
bezieht sich aufs Verwaltersein: Verwalter
sind nämlich auch wir alle! Egal wie viele Talente wir bekommen haben, uns allen
ist etwas anvertraut worden. Uns sind Dinge anvertraut worden, Verantwortung
haben wir dort und da übertragen bekommen, Leben ist uns anvertraut worden! In
einem bekannten Gedicht heißt es zu Recht,
dass alles nur
geliehen ist. Wir müssen einmal
Rechenschaft ablegen. Wir werden einmal gefragt, wie wir mit dem umgegangen
sind, was uns anvertraut worden ist. Wir werden einmal gefragt, ob wir gute
Verwalter des uns Anvertrauten waren. V. a. werden wir wohl gefragt werden, wie
wir mit dem Leben umgegangen sind. Ob wir das Leben behütet und beschützt oder
ob wir in Saus und Braus gelebt haben – frei nach dem Motto:
„Hinter mir die
Sintflut!“
Am Freitag habe ich mit dem
evangelischen Pfarrerkollegen das neue
Altstoffsammelzentrum Ausseerland
eingeweiht. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen:
Altstoffsammelzentrum Ausseerland. Früher hat man einfach
„Mülldeponie“
gesagt. Sprache schafft bekanntlich Bewusstsein:
Mülldeponie
suggeriert – da kannst du hinkippen, was du willst, es ist eh alles Müll,
schmeißen wir’s halt weg…
Altstoffsammelzentrum
suggeriert, dass hier etwas gesammelt wird, aufbewahrt wird, wertvoll ist und
einer Wiederverwertung zugeführt werden kann. Kinder der VS Bad Aussee haben bei
dieser Einweihung ein Theaterstück gespielt: „König Blitzeblank“. Es waren ja v.
a. die Kinder, die den Gedanken der Mülltrennung, der Bewahrung der Schöpfung
vom Unterricht und von den Jungscharstunden zu den Eltern und Großeltern nach
Hause gebracht haben. Und es ist sehr erfreulich,
dass die Steiermark in Sachen Umweltschutz weltweit
die Nr. 1 ist!
Ich hab bei der Eröffnung des neuen Altstoffsammelzentrums eine Aktualisierung der Seligpreisungen vorgelesen, die ich übers Internet in einem Werkbrief der Landjugend gefunden hab. Diese modernen Seligpreisungen sollen nun am Schluss meiner Predigt stehen. Sie sollen uns bewusst machen, dass und wie sehr wir alle Verwalter sind, Behüter des uns anvertrauten Lebens:
Selig sind die,
die die Welt als Schöpfung Gottes sehen – ihnen hat Gott die Erde geschenkt.
Selig sind die,
die alles achten, was lebt – ihnen schenkt Gott reine Luft und frisches Wasser.
Selig sind die,
die nicht gewaltsam die Umwelt ausbeuten – sie erben jedes Jahr neu das Land
voller paradiesischer Gaben.
Selig sind die,
die sich für die Erhaltung der Luft einsetzen – ihnen haucht Gott seinen Atem
ein.
Selig sind die,
die verzichten lernen um der Schöpfung willen – sie werden Gottes Liebe
erfahren.
Selig sind die,
die ihre Stimme erheben gegen die Zerstörung der Erde – sie werden Gottes Kinder
genannt werden
(Quelle: Werkbrief
für die Landjugend – Schöpfung, München 2003)