25. Sonntag/Lesejahr A/ Sänger- und
Musikantentreffen in Gössl, 2011-09-18
In der Predigt möchte ich heute einmal
drei Sätze aus der Lesung herausgreifen und damit unterstreichen. Beim dritten
Satz werde ich dann auch noch die Brücke zum Evangelium schlagen, zu diesem
Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, die den gleichen Lohn erhalten, obwohl
sie unterschiedlich lang gearbeitet haben.
Bedenken wir aber zuerst einmal den
ersten Satz der heutigen Lesung:
"Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt!"
Dahinter steht die Erfahrung, dass
Gott sich finden lässt. Er hat eine Unzahl von Spuren in der ganzen Schöpfung
hinterlassen. Und durch diese Spuren in der Schöpfung können und sollen wir dem
Schöpfer auf die Spur kommen. Im osteuropäischen Judentum vor dem Holocaust hat
es die Tradition der Chassidim gegeben. Und in dieser Tradition ist davon die
Rede, dass Gott ein Spieler ist und dass er sich aus Freude am Spiel den
Menschen als Mitspieler erschaffen hat. Für den Menschen geht es darum, Gott zu
suchen - ihn den fern-nahen Gott, ihn, der sich immer wieder verbirgt und
offenbart. Aber auch in der Tradition unserer Stifte und Klöster ist dieser
Gedanke bis heute noch ganz stark vorhanden. In der Regel des Hl. Benedikt etwa
fragt der Abt den Kandidaten fürs Kloster: "Was möchten Sie im Kloster tun?" Und
die einzig richtige Antwort lautet: "Gott
suchen - und sonst nichts!" So wie es eben eine hl. Theresa v. A. klassisch
ausgedrückt hat: „Gott allein genügt -
dios solo, basta!" – Christ sein heißt also: ein Leben lang ein Gottsucher
sein, ein Leben lang eine Gottsuchende bleiben!
Wir wissen, dass uns dafür nur eine
begrenzte Spanne Zeit gegeben ist, unsere mehr oder weniger langes Lebenszeit.
Wie alles in der Welt hat also auch das Gottsuchen seine Zeit. Darum ist in die
Einladung zum Gottsuchen auch die Mahnung verpackt, die Chance dazu nur ja nicht
zu verpassen: "Sucht den Herrn, solange
er sich finden lässt" sagt und mahnt der Prophet Jesaja. Und wenn wir uns
gegenwärtig vielleicht gerade etwas schwer tun mit unserer Gottsuche, dann könnt
vielleicht helfen, was uns auch sonst oft hilft, wenn wir etwas anderes suchen:
Wir sollen uns dann ja daran erinnern, wo ich das Verlorene zuletzt verwendet
habe, wo ich den Verlorenen zuletzt gesehen habe. Sich erinnern ist gut und die
Erinnerung kann helfen. Besonders gut ist in dieser Situation ein Stossgebet zum
hl. Antonius: Er ist bekanntlich für das zuständig, was man verloren hat. Aus
eigener Erfahrung, gerade in dieser Woche wieder am Elm oben, kann ich sagen und
empfehlen – Antonius ist ein Heiliger, auf den wirklich Verlass ist!
Ich möchte nun zu einem zweiten Satz
aus der heutigen Lesung kommen. Er lautet:
"Kehrt um zum Herrn, unserem Gott,
denn er ist groß im Verzeihen!"
Die Umkehr zu Gott sollte uns leicht
fallen, denn Er ist groß im Verzeihen. Es ist einfach großartig, wie Er immer
wieder zum Verzeihen bereit ist. Gott ist nämlich viel größer als unser Herz.
Für Gottes Größe im Verzeihen soll die Kirche ein Zeichen sein, ein Sakrament.
Im holländischen Katechismus gibt es eine sehr schöne Kurzdefinition für Kirche.
Sie lautet: "Kirche ist Versöhnung".
Es ist sehr schade, wenn diese Sendung der Kirche heute kaum erlebt wird. Es ist
schade, wenn gegenwärtig etwa Jugendliche Kirche vor allem mit dem moralische
Zeigefinger verbinden und wenn
damit das Evangelium von der Versöhnung verdunkelt wird. Umkehr, Versöhnung ist
möglich, weil Gott uns dazu jeden Tag neu die Gelegenheit gibt, weil er keine
und keinen von uns jemals abschreibt. Sehr schön ist das ja bei der 2. EÖV in
Graz zum Ausdruck gekommen. Dieses Treffen der Christenheit stand unter der
Überschrift: "Versöhnung - Gabe Gottes
und Quelle neuen Lebens!"
Darum also der Ruf des Propheten,
seine Einladung in der heutigen Lesung:
„Kehrt um zum Herrn, unserem Gott, denn er ist groß im Verzeihen."
Schließlich habe ich den Schlusssatz
der heutigen Lesung ausgewählt: "Meine
Gedanken sind nicht eure Gedanken…und eure Wege sind nicht meine Wege!"
Dieser Satz hält fest, dass bei aller
Liebe und Freundschaft Gottes zu uns, Gott doch immer der ganz Andere bleibt.
Ihm können wir trotz aller Gebet und Frömmigkeit nicht in die Karten schauen. Er
ist der stets andere und für Überraschungen gut. Das hat Jesus mit dem heutigen
Evangelium deutlich demonstriert: Wer von uns findet das denn gerecht, dass es
bei so ungleicher Arbeit den gleichen Lohn für alle gibt? Da können schon Neid
und Groll in uns aufsteigen. Da kann die Frage Jesu schon zu einer sehr
persönlichen Anfrage an uns werden: "Bist
du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?" Gott hat offensichtlich kein
Kleingeld. Muss er sich aber deswegen bei uns neidischen Pharisäern
entschuldigen, weil er für alle da und zu allen gut ist? Zu den Leuten der erste
Stunde genauso wie jenen der 11. Stunde?
Ich persönlich denke bei dieser
Bibelstelle gerne an Dr. Franz Drumbl,
den sog. "Hungerdoktor" von Graz mit seiner damals berühmten Drumbl-Kur. Er war
lange Zeit ein verheirateter Diakon. Nach dem Tod seiner Frau hat er den ganz
starken Wunsch gehabt, Priester zu werden. Er war aber schon 65 Jahre alt. Und
da hat es natürlich ein ziemliches Murren gegeben. Es war gleich einmal die Rede
vom sog. „letzten Aufgebot“ für den Priesternachwuchs – die Pensionisten als
letzte Hoffnung der Kirche usw. Dr. Franz Drumbl hat allen leise oder laut
Murrenden damals den Wind aus den Segeln genommen, indem er gesagt hat:
"Ja, ich bin halt ein Mann der 11.
Stunde!" Wir sollten nicht neidisch sein, wenn Gott Menschen wie ihn zur
späten Stunde zur Arbeit in seinem Weinberg ruft. Der bei seiner Weihe fast
schon betagte Dr. Drumbl ist für mich ein Beispiel, dass Gottes Geist weht wo er
will und dass Gott beruft, wen und wann er will. Der lebendige Gott lässt sich
eben in kein Schema pressen und auf keine Rolle fixieren. Gottes Maßstäbe müssen
nicht unsere sein. Sie sind oft so provozierend und so erfrischend anders als
unser Kalkül. "Meine Gedanken sind nicht
eure Gedanken…und eure Wege sind nicht meine Wege." – So hat es in Gottes
Namen und Auftrag der Prophet Jesaja auf den Punkt gebracht. Amen.