15. August 2010/Bergmesse beim Albert Appelhaus des ÖTV

Predigtskizze: Drei Themen müssen heute „gestreift“ werden:

1. Tod: Heute ist ja der Sterbetag der Gottesmutter Maria, vgl. die offiziellen Titel des heutigen Hochfestes in den christlichen Kirchen:

a) Tag der Entschlafung der Gottesmutter Maria: Schlaf als sanfter Vorbote des Todes; tägliche „ars moriendi“; loslassen einüben, Feierabend machen; Wunsch aller: in Frieden einschlafen können, wenn uns einmal die Stunde schlägt.

b) Aufnahme Mariens in den Himmel – mit Leib und Seele, d. h. „ganz“; der ganze Mensch ist gotteswürdig/gottesfähig; wir werden aufgenommen/sind willkommen, fallen nicht tiefer als in Gottes gute Hand; Christus hat uns im göttlichen Vaterhaus einen Platz bereitet.

c) Heimgang Mariens: sterben heißt heimgehen, zurückkehren zum Anfang/Ursprung: „von Gott/zu Gott“ heißt es kurz auf einem Grabstein in Aussee; wer stirbt geht nicht von uns, er/sie geht uns nur voran (nach Hause).

Elmar Simma: Ich gehe meinen Weg vertrauend darauf, dass es kein Irrweg, sondern ein Heimweg ist. Ich gehe meinen Weg, vertrauend darauf, dass er mich nicht an ein Ende, sondern an das Ziel führt. Ich gehe meinen Weg, vertrauend darauf, dass, wenn ich gefragt werde, wohin ich gehe, ich antworten kann: immer nach Hause.

2. Berge: Wir feiern ja eine Bergmesse beim Albert Appelhaus des ÖTV, eine Eucharistie in der sog. „größten Kathedrale“ (freie Natur/herrliche Bergwelt); die Berge haben schon ihre Qualität, sind ein besonderes Wort Gottes an uns,  ein mysterium tremendum et fascinosum (Vgl. K2: G. Kaltenbrunner/Christian Stangl bzw. der im Sommer am Kamm tödlich verunglückte Vorsitzende unseres Dekanatsrates M. Pichler…); in fast allen Religionen/Kulturen spielen die Berge eine besondere Rolle: „hoch und heilig“ heißt ein wunderbares Buch von L. Maurer/M. Raich; auch mit der Marienverehrung sind Berge fest verbunden: vom Kalvarienberg und dem biblischen Berg Karmel angefangen über uralte Wallfahrtsorte wie dem Montserrat, unser Mariazell, Maria Luschari und Maria Schnee bis zu Frauenberg/Admont und Maria Kumitz in unserer Region; Berge faszinieren („fesseln“) und stoßen ab: „Aufi muaß i!“ und „Der Berg ruft!“ einerseits, andererseits gilt „Höhe ist Fallhöhe“ bzw. „Warst nit aufigstiegn, warst nit obigfolln!“ Berge befreien von der Last des Alltags, öffnen und weiten den Blick; sie bleiben ein Mysterium und damit ein Sinnbild für das absolute Mysterium (Gott).

3. Segen: Landauf/-ab gibt es heute unzählige Kräutersegnungen: die Heilkraft der Kräuter und die heilende Kraft des Segen. Der Volksmund sagt: „Segnen bringt Segen!“. Er meint auch: „An Gottes Segen ist alles gelegen!“ Das gilt es ein wenig zu korrigieren/weiten, denn auch am Segen lieben Menschen ist viel gelegen. Es ist wichtig, den Segen des Partners/der Partnerin, der Eltern, lieber Menschen zu haben. Biblisch bedeutet „segnen“ ja „loben, Gutes sagen“. Vgl. ein Aufkleber der KJS vor Jahrzehnten: „Haben Sie heute schon Ihr Kind gelobt?“ Gemeint war „gesegnet“. Auch im heutigen Evangelium ist vom Segen Gottes die Rede gewesen. Wir sind berufen füreinander ein Segen zu sein. Eine Erfahrung: Am Vorabend bzw. in der Früh beim Vorausblick auf die Termine etc. loben/segnend an die Menschen zu denken, mit denen man es im Lauf des Tages zu tun bekommt: Man geht anders in Begegnungen, Sitzungen, Termine hinein, wenn man vorher schon segnend/lobend an die Betroffenen gedacht hat…

 

Kräutersegen:

Gott, du Freund und Quelle allen Lebens! Du hast Maria über alle Geschöpfe erhoben und sie in den Himmel aufgenommen. An ihrem Fest danken wir dir für alle Wunder deiner Schöpfung. Durch die Heilkräuter und Blumen schenkst du uns Gesundheit und Freude. Nicht gegen alles, aber doch für vieles ist ein Kraut gewachsen und dafür danken wir dir. Wir bitten dich:

Segne + die Kräuter und Blumen in unseren Almen, Wiesen und Gärten. Sie erinnern uns an deine Herrlichkeit und an den Reichtum deines Lebens.

Schenke uns auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria dein Heil. Lass uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir gelangen und zusammen mit der Mutter Gottes, allen Engeln und Heiligen, mit allen uns vorangegangenen Verwandten und Freunden einstimmen in das nie endende Lob der ganzen Schöpfung! Darum loben und preisen wir dich durch unseren Herrn Jesus Christus, der in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Berggebet:

Gott, du hast Himmel und Erde erschaffen. Die Gipfel und Wände, die Grate und Zinnen deiner Berge recken sich himmelwärts wie ein zu Fels erstarrtes Dankgebet. Blendend weiß leuchten deine Firne in unsagbarer Reinheit. Blau schimmern deine Burgen aus ewigem Eis und geben Zeugnis von deiner Herrlichkeit. Fröhlich springen die Bächlein hinab ins Tal durch rauschenden Bergwald, vorbei an unzähligen Blumen, hinab in die laute, friedlose Welt. Stammelnd erzählen sie von deiner Allmacht und Größe und von deiner stillen, schönen Welt.

Über allem aber strahlt deine Sonne. Sie lässt die Firne aufleuchten und zaubert blaue Schatten in den Fels. Ich aber kann nur ehrfürchtig schweigen und ahnen deine Herrlichkeit.

Gott, lass mich froh wie deine Bergbächlein hineinspringen ins Leben! Lass mich hart sein wie deine Felsen, wenn mich die Leidenschaft überwinden will und wenn es gilt, für dich zu streiten. Lass mich rein sein an Seele und Körper wie deine leuchtenden Firne!

Lass über meinem Kämpfen und Ringen deine unendlich Liebe strahlen. Lass mein Herz und meine Seele aufflammen in heißer Liebe zu dir. Und lass mein Leben ein einziges Dankgebet und Loblied sein für dich, den allmächtigen Schöpfer. Amen. (nach: Der Mensch vor Gott, Verlag Veritas, Linz)