Statement beim Priesterrat am 15. Juni 2011/Schloss Seggau zum Thema: „Gelebtes Presbyterium in Pfarrhof/Pfarre/Dekanat/Diözese“

 

Voraus so etwas wie eine Vorbemerkung: Das II. Vat. spricht in PO 8 davon, dass die Priester „in inniger sakramentalen Bruderschaft miteinander verbunden sind.“ Mir ist auch die sakramentale Geschwisterlichkeit aufgrund der Taufe wichtig und heilig! Mir ist einleitend also der Hinweis wichtig, dass es in unserer Kirche zwei Formen des Priesterseins gibt – das gemeinsame aller Getauften und im Dienst an diesem das sog. Amts-Priestertum. Das Anziehen der Albe erinnert uns bekanntlich vor jedem Gottesdienst daran. Ich empfehle zudem noch meine Gewissensfrage für beide Formen des Priesterseins. Für uns lautet sie: „Würde man dich wegen deines Einsatzes für das gemeinsame Priestertum aller aufgrund der Taufe anklagen – hätte man genügend Beweise gegen dich?“ Für die sog. Laien heißt die Gewissensfrage: „Würde man dich wegen deines Einsatzes für geistliche Berufe anklagen – hätte man genügend Beweise gegen dich?“

 

Gelebtes Presbyterium in Pfarrhof/Pfarre/Dekanat/Diözese:

Ich habe das große Glück, dass ich bisher noch nie irgendwo „alleine“ gewesen bin – als Kaplan nicht, geschweige denn im Kollegium des Priesterseminars oder im Team der KHG, und auch nicht als Pfarrer im PV Ausseerland.

Ich versuche in meinem Priestersein drei kleine Akzente zu setzen: 1. Ich möchte ganz klassisch und v. a. ein Geistlicher sein und bleiben. Ich hab im Gegensatz zu meinem Vorgänger in Aussee kein besonderes Talent in Bau- und Wirtschaftsfragen.

2. Ich möchte das Miteinander leben und stärken im Pfarrhof, in der Pfarre, im Dekanat und in der Diözese. Ich bin daher kein Freund von Solo-Entscheidungen. Ich wünschte es mir sehr, dass wir Priester etwas weniger „eigener Bischof“ und „Ortskaiser“ spielten. – Ich hab da so meine Erfahrung mit meinem lieben Nachbarpfarrer…

3. Gegen oft so viel vorhandener „Schwere“ möchte ich eher das spielerische Element einbringen, eine gewisse „Leichtigkeit des Seins“. Oft sage ich mir: „Edi, nimm dich nicht zu ernst. Du brauchst nicht Erlöser spielen, du bist nur der Pfarrer!“

 

Ich lebe aktuell mit unserem Ausseerlandkaplan Markus Choi zu zweit in einem schönen aber mindestens ebenso teuren Pfarrhof. Das gute Miteinander von Pfarrer und Kaplan und den Diakonen wird sehr positiv registriert. Man erinnert sich ja noch gut, dass es zwischendurch nicht so war… Wir beten die Laudes miteinander, auch das gemeinsame Mittagessen ist uns heilig und der jour fixe mit dem Diakon und den beiden Sekretärinnen. Der Tisch in den Häusern, der Tisch im Pfarrhof und der Altar in der Kirche – die haben gar nicht so wenig miteinander zu tun…

Ich habe meine Haushälterin vom Vorgänger übernommen. Sie ist ganz angestellt und kommt zur Arbeit in den Pfarrhof. Mir ist ein offener und sauberer Pfarrhof samt Garten wichtig. Ersparen kann ich mir freilich im teuren Pflaster Aussee nichts - im Gegenteil! Ich muss schauen, dass ich finanziell irgendwie über die Runden komm.

Es ist mir ein Bedürfnis, den Punkt „Finanzen“ heute besonders zu benennen: In Graz habe ich jährlich fast 6.000 Euro bei der Einkommenssteuer-Erklärung zurückbekommen. In Aussee zahle ich in vier Raten gut 7.500 Euro im Voraus ans Finanzamt. In der KHG hab ich gratis gewohnt und nur das Essen bezahlt, in Aussee zahle ich allein für Heizung und Strom gegen 600 Euro - 12x im Jahr.

 

Mein Freundeskreis ist mir wichtig. Ich möchte den Kontakt nicht verlieren. Die Freunde sind freilich durch die Bank in Graz - von Aussee aus „ein breiter Weg“, wiederum mit enormen Kosten…

Da ist es ja ein Glücksfall, wenn ich am freien Tag wie heute die meisten km „dienstlich“ verbuchen kann – und wenn sich trotzdem nach dem Priesterrat noch einen Sprung zum Schwarzl, an die Copacabana oder ein Besuch ausgeht.

Und dann noch der extreme Verschleiß beim Auto durch den Ausseer Winter, die desolaten Straßen usw. usf.

Fazit: Es ist finanziell wirklich nicht zu spielen…

 

Ich will beileibe nicht jammern. Trotzdem muss ich noch ein zweites Thema eher leidvoll ansprechen - es ist unsere Lebensform und damit auch der Umgang mit der Sexualität: Unser Langzeit-Regens Gottfried Lafer hat ja immer behauptet, dass von den drei evangelischen Räten der Gehorsam die größte Herausforderung sei. Ich würde da eindeutig die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen nennen, den Zölibat:

Er kostet mir und vielen Kollegen sehr viel. Nicht wenige sind deswegen aus dem priesterlichen Dienst ausgestiegen. Viele mehr haben sich schon im Priesterseminar für einen anderen Weg entschieden. Und noch viel mehr haben sich seinetwegen erst gar nicht auf diesen Weg der Nachfolge gemacht…

Die Sexualität ist für mich eine derartige Urkraft im Menschen, so dass ich in dieser Sache für niemanden mehr die Hand ins Feuer legen würde – auch nicht für mich. Ich hab in diesem Punkt bei Verheirateten und Zölibatären schon zu viele Überraschungen erlebt. In jeder Lebensform bleibt es ein Kampf: Die Sexualität gibt Kraft, kostet aber auch viel Kraft, denn sie ruft ja in jeder Lebensform nach konkreter Gestaltung.

Gott und unseren Vorgesetzten sei Dank, dass es immer wieder Heilung gibt, Heilung durch Erinnerung, durch Rückkehr zur ersten Liebe, durch ein neues Entfachen der Gnade Gottes, die uns durch die Auflegung der Hände zuteil geworden ist. 

Und Gott sei Dank für jene, die uns spüren lassen, was die sel. Mutter Teresa im Blick auf uns wohl so sagen würde: Nötiger als Brot braucht ihr Priester die Gewissheit, erwünscht zu sein! Danke.