SALZ DER ERDE (Predigt am 5. Sonntag im Jahres A
2011-02-06)
„Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort und die
Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort“ hat Eichendorff
gedichtet. - SALZ ist unbestreitbar so ein Zauberwort!
Salz und die Kulturgeschichte der Menschheit gehören
ganz einfach zusammen. „Ohne das Salz kann
man kein zivilisiertes Leben führen“ schrieb der römische Dichter Plinius.
Salz, dieses Zauberwort gehört zur Kulturgeschichte Österreichs einfach dazu,
erst recht zu Österreichs geographischer Mitte, zum Ausseerland im
Salzkammergut!
Österreich und das Salz, was ist das nicht für eine lange, bewegende
Geschichte: Denken wir nur an die Salzgewinnung in Hallstatt schon vor 3000
Jahren, denken wir an Salzburg, dessen Erzbischof noch immer den Ehrentitel
„Primus Germaniae“ trägt, denken wir an die fürs Ausseerland so wichtige
Jahreszahl 1147.
Aber auch heute noch spielt das Salz eine große Rolle.
Denken wir nur daran, wie vor einigen Jahren der Raub der
Saliera ganz Österreich in eine
kollektive Staatstrauer versetzt hat. Dieses wahrscheinlich kostbarste Salzgefäß
auf der ganzen Welt hat ja Alois Brandstetter einmal treffend als „Monstranz von
Salz und Pfeffer“ und als „Tabernakel des Gewürzes“ gepriesen. Für mich
persönlich ist es stimmig und passend, wenn sich in diesen Monaten der oberste
aller Salzbarone Österreichs für die Bildung stark macht, wenn sich Hannes
Androsch federführend für ein Bildungsvolksbegehren einsetzt. Salz und
Österreich, Salz und Bildung, das gehört ganz einfach zusammen. Wenn ich bei
allen Taufen im Ausseerland die sog.
Salzspende durchführe, dann gebe ich den Kindern eine Prise Salz auf die
Zunge. Und dazu spreche ich die Worte:
„Empfange das
Salz der Weisheit!“
Zuvor ist schon das Stichwort
„Tabernakel“
gefallen: Ein und derselbe Steinmetz hat ja um 1520 die wunderschönen Tabernakel
für die Pfarrkirchen in Bad Aussee und Altaussee geschaffen, unsere fast 500
Jahre alten Sakramentshäuschen. In Bad Aussee ist es ca. 10 m hoch, in Altaussee
sind es 4 m. Salz, dieses Zauberwort, gehört in den Kirchen des Ausseerlandes
einfach dazu, Salz und Brot, diese beiden uralten Zeichen der Gastfreundschaft
gehören ganz einfach zusammen. Wunderbar hat das der Steinmetz im Ausseer
Sakramentshäuschen umgesetzt. Er hat Salz und Brot einen ganz prominenten Platz
gegeben, den besten und wichtigsten Platz in der Kirche, den Platz im
Tabernakel. Der Schrein für das Brot ruht auf einer Säule. In diese tragende
Säule sind zwei Salzkufen gemeißelt worden. Und darüber ist dann herrlich
gestaltet und verziert der Platz für das Allerheiligste, für das hl. Brot. Wo
Brot und Salz sind, da ist Leben, das ist Gemeinschaft, da wird Gastfreundschaft
und Bündnistreue gelebt.
Der Ausseer Schriftsteller
Alfred Komarek hat ein
großartiges Buch über Österreich geschrieben. Ein gutes Buch über Österreich
muss freilich und ganz einfach auch ein gutes Buch übers Salz sein. So lautet
der Titel von Komareks Buch folgerichtig:
„Österreich – mit einer Prise Salz. Ein
Mineral macht Geschichte“. Das Buch ist
schon 1998 erschienen und zwar im Verlag K&S. Das K&S sollten die Ausseer nicht
zu rasch verstehen. Es steht nämlich nicht für die bekannte Werbeagentur
Köberl&Schlömmer, K&S steht vielmehr für den Wiener Verlag Kremayr&Scheriau. Das
Resümee des Buches von Alfred Komarek, die letzten Zeilen, hören sich wie folgt
an:
„Sie mögen also die Köpfe zusammenstecken, die Salzgewaltigen und die
Kreativen, die Fremdenverkehrsleute, die Politiker, wer auch immer: Hauptsache,
sie teilen Brot und Salz und handeln dann auch danach!“
Wunderschön, diese Botschaft:
Hauptsache,
sie teilen Brot und Salz! Wer Brot und
Salz teilt, teilt Entscheidendes, teilt eigentlich das ganze Leben. Er teilt
einerseits die Grundbedürfnisse – dafür steht bekanntlich das Brot. Aber er
teilt auch den Hunger und Durst nach Weisheit und Frieden – dafür steht das
Salz. Ich finde es besonders treffend, dass in Aussee der Sandling noch immer
als „Brotlaib“ bezeichnet wird: Wer
Salz gibt, gibt Brot, gibt Leben, sichert die Existenz – und das ist beim
Sandling in Altaussee – Gott sei Dank – von den Reserven her noch für
Generationen gesichert.
Es ist schon ein schönes Lied, das im Salz schläft. Es
ist ein Lied, das uns allen quasi in die Wiege gelegt worden ist durch das
Sakrament der Taufe. Es ist ein Lied, das uns von Kindesbeinen an vertraut ist.
Es ist ein Lied, von dem immer wieder in der Kirche gesungen wird, wenn wir (wie
heute) die Worte Jesu aus der Bergpredigt hören:
Ihr seid das
Salz der Erde!
Dieses Lied wird auch im Segensgebet gesungen, dass
bei jeder Taufe vor der Salzspende gesprochen wird:
Allmächtiger, ewiger Gott!
Einst hast du dem Haus David das Königtum in einem Salzbund auf ewige
Zeiten verliehen (vgl. 2 Chr 13, 5).
Dem Propheten Elischa hast du geboten, schal gewordenem Wasser durch
Salz wieder Kraft zu geben (vgl. 2 Kön 2, 20).
In der Fülle der Zeit hat dein Sohn das Salz zu einem besonderen Zeichen
der Berufung erwählt (vgl. Mt 5, 13).
Alle, die ihm nachfolgen, sollen mit Feuer gesalzen werden, damit sie
Salz in sich haben und untereinander Frieden halten (vgl. Mk 9, 49.50).
Segne + dieses Salz mit der Kraft des Heiligen Geistes, damit dieses
Kind (N.) immer tiefer seine Berufung erkennt, Salz der Erde (vgl. Mt 5, 13) und
Licht der Welt (vgl. Mt 5, 14) zu sein.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren
Bruder und Herrn.
Amen.