Predigt bei den Floriani-Messen 2011 zum Thema „Leben“:

 

Retten, Löschen, Bergen, Schützen – die Prinzipien der Feuerwehren drehen sich um ein großes Thema, um das Thema „LEBEN“. Dem Thema „Leben“ möchte ich heuer die Predigt bei der Florianimesse widmen.

 

Mein Lieblingswort zum Thema Leben stammt von Albert Schweitzer. Der berühmte Theologe und Urwalddoktor hat den Satz geprägt: Wir sind Leben inmitten von Leben, das leben will! Besser kann man es kaum ausdrücken, dass alles Leben zusammen gehört, dass wir alle im selben Boot sitzen auf unserem wunderschönen und doch so gefährdeten blauen Planet Erde. Das Leben, alles Leben in seiner Buntheit und Vielfalt, ist ein Wunder und doch so zerbrechlich und gefährdet. Daher gibt es ja nicht nur Menschenrechte sondern auch Menschenpflichten. In der Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten lautet der Par 6 wie folgt: Jede Person ist unendlich kostbar und muss unbedingt geschützt werden. Schutz verlangen auch die Tiere und die natürliche Umwelt. Alle Menschen haben die Pflicht, Luft und Wasser und Boden um der gegenwärtigen Bewohner und der zukünftigen Generationen willen zu schützen.

 

Auch die Botschaft der Bibel ist ganz klar: Gott ist die Quelle allen Lebens. Er ist der Freund und Liebhaber des Lebens, wie es in der Lesung aus dem Buch der Weish 11, 24 – 12, 1 geheißen hat. Ausdrücklich kommt das Thema „Leben“ bei den sog. Zehn Geboten vor, wenn etwa das 5. Gebot kurz und bündig lautet: „Du sollst nicht töten!“ Oder denken wir an den Schöpfungsbericht, wo es immer wieder heißt, dass alle Geschöpfe gut sind, ja dass die Erschaffung des Menschen sogar „sehr gut“ war und dass Gott auf alle seine Geschöpfe seinen besonderen Schutz und Segen gelegt hat. Beim Propheten Jes 43 lesen wir, dass Gott uns mit Namen gerufen hat, dass er unsere Namen in die Flächen seiner Hand geschrieben hat. Im Joh-Evangelium steht die Frohbotschaft: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gesandt hat! Christus ist Mensch geworden, damit wir das Leben haben, damit wir ein Leben in Fülle haben. Die Botschaft der Bibel ist also eine einzige Einladung, sich für das Leben zu entscheiden, das Leben zu wählen, denn ER/Gott ist ja dein Leben!

Wir sind Leben inmitten von Leben, das Leben will. Gabe und Aufgabe ist das Leben nach Gottes Willen, Gabe und Aufgabe ist jedes Leben!

 

Von daher sind wir Christen zu einem ganz besonderen und umfassenden Lebensschutz verpflichtet. Anwälte und Freunde des Lebens zu sein, ob gelegen oder nicht, das ist unsere Berufung als Kinder Gottes, als Gottes Ebenbild. Zum umfassenden Schutz des Lebens gehören für mich aktuell vor allem 3 Punkte, 3 Gefährdungen des Lebens: das Gebot der Nächstenliebe ist ja inzwischen längst schon auch im Sinn von „Liebe zu den nächsten Generationen“ zu verstehen. Konkret heißt das, dass wir kein Recht haben auf Kosten der nachkommenden Generationen heute in Saus und Braus zu leben, frei nach dem Motto: Hinter uns die Sintflut. Von daher ist für mich die Atomenergie mit ihrem unverhältnismäßig lange überbleibenden Müll schon immer mit einem großen Fragezeichen versehen gewesen.

Das Zweite und das Dritte, das für mich zum umfassenden Lebensschutz gehört und wo wir als Anwälte des Lebens parteiisch sein müssen für das bedrohte Leben, ist das entschiedene Eintreten und Auftreten gegen Abtreibung und Euthanasie, gegen diese Dammbrüche wider das Leben, die es in unserer Gesellschaft leider gibt: Ich erinnere hier gerne an den ebenso deftigen wie gescheiten Satz von DDr. Günther Nenning, der damals als „Au-Hirsch“ bei den Demonstrationen in der Hainburger Au gemeint hat: Wer für die Frösche in der Au ist, der muss auch für die Frösche im Mutterleib sein. Seit meinen Studientagen habe ich dazu ein Wort des international hochgeschätzten Ethikers Valentin Zsifkovits im Ohr. Er sagt: Das Embryo entwickelt sich nicht zum Menschen, sondern als Mensch!

D. h. von Anfang an ist menschliches Leben vorhanden und daher zu schützen, von der Verschmelzung der beiden Keimzellen an, der Samenzelle mit der Eizelle.

Aber nicht nur am Anfang des menschlichen Lebens auch am Ende hat es inzwischen in unserer Gesellschaft einen Dammbruch wider das Leben gegeben: Nicht selten haben alte und kranke Menschen das Gefühl, nicht mehr willkommen zu sein. Manche haben schon das Gefühl, dass sie sich fast schon zu entschuldigen hätten, dass es sie überhaupt noch gibt. Für das heikle Thema Euthanasie ist mir wohl mit vielen anderen ein Wort besonders heilig und wichtig. Es stammt vom früheren deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler. Er hat es 2005 gesagt: Nicht durch die Hand eines anderen sollen die Menschen sterben, sondern an der Hand eines anderen. Das ist inzwischen zum Leitwort der ganzen Hospizbewegung geworden. Das Leben ist kostbar und es ist vielfach gefährdet.

 

Das Leben schützen – das ist eine ganz große Herausforderung für uns alle. Den Feuerwehren sei Dank, dass sie das in ihrem Bereich freiwillig und beispielhaft tun, ohne Wenn und Aber, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dafür ein großes Danke, Vergelt`s Gott und „Gut Heil!“