Ostern 2011
Vom Stein, von den Blumen und von
Licht und Feuer möchte ich sprechen, von diesen dreien: Vom Stein, der zu Ostern
und immer wieder im Alltag weggewälzt und entfernt gehört; von den Blumen, die
zum Blühen und Duften bestimmt sind; und von Licht und Feuer, das brennen soll
und eine ungeheure Faszination ausübt auf groß und klein, alt und jung.
1. Der STEIN – er gehört weggewälzt und entfernt, immer wieder, nicht nur zu Ostern, der Stein vor dem Grab Jesu, der Stein hinter dem Menschen sich vergraben, der Stein in unserem Herzen. Das können wir freilich nicht aus eigener Kraft. Das kann nur Gott schaffen, Gott und seine Engel. Deswegen gilt es, Gott darum zu bitten, dass er diese Steine weggewälzt. Der Ostertext, den ich für unsere homepage ausgewählt hat, spricht genau dieses Anliegen aus. Er stammt von P. Rotzetter
:
Gott! Wälz den Stein weg, der mich
hindert zu glauben. Ich möchte glauben, dass Du das Leben bist und dass Du den
Tod überwindest. Ich möchte glauben, dass Du bereits damit begonnen und Jesus zu
einem neuen Leben auferweckt hast. Wälz den Stein weg, damit ich glaube und
auferstehe zu einem frohen Leben.
Die
Bibelfesten in unserer Mitte werden hier auch an den Propheten Ezechiel denken,
an die Verheißung, die er in Gottes Namen zu verkünden hat:
Ich schenke euch ein neues Herz und lege
einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe
euch ein Herz von Fleisch. (Ez 36, 26)
Eine Bibelstelle, die gerne bei der
Taufe gelesen wird. Ostern und Taufe, Alltag und Taufe gehören ja ganz eng
zusammen. Immer wieder gibt es diese Gefahr, dass Menschen verhärten – in ihrem
Herzen und in ihrem Denken. Immer wieder gibt es das, dass sich Menschen
einbunkern und verkriechen, dass sie wie lebendig begraben sind. Ostern und die
Taufe, das sind Feste gegen die Schwermütigkeit. Wenn wir uns darauf einlassen,
dann kann Gott mit der Hilfe seiner Engel den Stein und die Steine wegräumen,
dann ist Auferstehung und neues Leben möglich.
2. Das
Zweite sind die BLUMEN, die zum Blühen und Duften bestimmt sind. Im Werk der
Hilde Domin findet sich der Satz: „Es
blüht hinter ihm her“.
Wo Auferstehung ist, da ist Leben, da
blüht neues Leben auf, da gibt es das Wunder der Wandlung, das Wunder des
Lebens. Der späte erste Frühlingsvollmond und damit der späte Ostertermin macht
es heuer möglich, dass selbst in Aussee schon der Schnee weg ist, dass die
Wiesen grün geworden sind, dass Sträucher und Bäume blühen. Ostern und Frühling,
Ostern und das Erwachen der Natur, Ostern und neues Leben, das gehört einfach
zusammen.
Es blüht hinter ihm her
sagt die Dichterin. Ein verdichtetes, herrliches
Feedback für den gekreuzigten und auferstandenen Christus.
Es blüht hinter ihm her – das heißt,
was er zurücklässt, womit er uns beerbt, das ist Leben, Leben pur, Leben in
Fülle. Jesu Erbschaft, Jesu Hinterlassenschaft ist blühendes Leben. Dazu fällt
mir eine Anekdote von M. Gandhi ein. Er hat ja in Europa studiert und
hier das Christentum kennen und schätzen gelernt. Engländer, die ihn später in
Indien besucht haben, haben ihn gefragt, was sie seiner Meinung nach als
Christen tun sollten. Darauf hat er eine kurze Antwort gegeben:
Duften Sie, meine Herrn, duften Sie.
Das klingt
ziemlich Paulinisch: Den Duft der
Erkenntnis Jesu Christi verbreiten… - den Duft der Auferstehung und des
Lebens verbreiten wider den Leichengeruch und den Gestank des Todes. Dem
Auferstandenen nachfolgen, d. h. hinter ihm hergehen, sich am Blühen und am Duft
des Lebens erfreuen und diesem Blühen und Duften dienen, wo immer und wann immer
wir dazu eine Gelegenheit haben. Christen sind daher Anwälte des Lebens, ob
gelegen oder ungelegen, Verteidiger des Lebens vom noch ungeborenen Leben
angefangen bis zum alt und müde gewordenen Leben. Wir erkennen durch
Katastrophen wie z. B. in Japan, dass wir diesen Lebensauftrag auch für die
Umwelt haben. Die Bewahrung der Schöpfung, ist Nächstenliebe konkret! Da wird
ganz konkret, was mit dem Blühen der Dichterin gemeint ist und mit dem Duften,
zu dem Gandhi aufgerufen hat.
3. LICHT und FEUER, das brennen und
leuchten soll, ist das Dritte. Licht und Feuer faszinieren und gehören zu Ostern
einfach dazu. Denken wir nur an den ganzen ersten Teil der Osternachtfeier, wo
sich alles um das Licht dreht bis hin zum wunderbaren Exsultet. Und denken wir
an die Freude und die Begeisterung mit der jung und alt sich nach der
Auferstehung beim Osterfeuer treffen.
Licht und
Feuer haben einfach etwas Faszinierendes.
Glaube muss brenne - und das, bitte, nicht auf Sparflamme! Glaube soll zum Feuer
werden! Es ist für mich herrlich zu sehen, wenn wieder einmal jemand für den
Glauben Feuer fängt, sich begeistern lässt und sich zu engagieren beginnt. Der
hl. Franziskus ist da wohl der Vorzeige-Heilige schlechthin.
Seraph der Erde wurde er genannt,
weil er ein Brennender war. Von
großen Persönlichkeiten sagt man hin und wieder, dass sie wie eine Fackel sind,
die an beiden Enden brennt – sie engagieren sich, sie geben sich hin und
verzehren sich regelrecht. Ganz in diese Richtung weist ein Lieblingsgebet von
Teilhard de Chardin: Beten Sie für
mich, dass ich mich niemals hinreißen lass, etwas anderes zu wollen als das
Feuer! Unser Bischof hat bei missa
chrismatis Anton Wildgans zitiert:
Was leuchten will, muss dulden, dass es
brenne. So ist es bei den Kerze und beim Menschen:
Was leuchten will, muss dulden, dass es
brenne. Wer leuchten will, muss was aushalten, muss brennen, Feuer fangen…
Feurige Ostern 2011 wünsche ich daher!