Narzissenfest- und Medien-Sonntag 2011-06-05:

 

Die vielen Narzissen, ein Dichter und die Medien – das sind die drei Themen der heutigen Predigt. Klingt ziemlich profan, aber passt schon so.

 

1. Die vielen Narzissen: Obwohl es bei uns so viele sind, heuer sind sie wegen des schönen Frühlings und des späten Termins für das Narzissenfest schon bedenklich rar geworden. Umso wertvoller und kostbarer sind sie!

In meiner Predigt möchte ich im ersten Teil an die Geschichte von Narziss erinnern. Die Legende vom atemberaubend schönen Narziss ist ja ein Stück europäischer Kulturgeschichte. Sie lässt uns zurückkehren in die fabelhafte Welt der Götter. „Die Rückkehr der Götter“ heißt eine aktuelle große Ausstellung in Leoben. Die Rückkehr der Götter war auch jüngst bei der Eröffnung des Life-Balls in Wien überdeutlich zu spüren. Wir, die wir längst die Wende von den Göttern zum lebendigen Gott vollzogen haben, wir brauchen vor dieser Rückkehr keine Angst zu haben. Es wäre eher ein Zeichen von Kleinglauben, wenn wir diese Art der Rückkehr der Götter fürchten würden.

Narziss war jedenfalls der Sohn des Kephios, des Gottes der Flüsse. Die Bergnymphe Echo hat sich unglücklich in ihn verliebt. Er aber hat ihre Liebe nicht erwidert. Die Nymphe Echo ist in ihrem Liebesleid zu einem Felsen erstarrt, nur die Stimme blieb, das Echo, das bekanntlich bei jedem Felsen besonders stark zu hören ist. Die Lieb- und Herzlosigkeit des Narziss aber wurde von Nemesis schwer bestraft: Sie hat es gefügt, dass sich Narziss unsterblich in sich selbst verliebt hat. Als er einmal bei einer Quelle sein eigenes Gesicht, sein Spiegelbild gesehen hat, da war es dann um Narziss geschehen. Seinem Leiden, seinem unglücklichen Verliebtsein in sein eigenes Spiegelbild, wurde schließlich ein Ende gesetzt, indem ihn die Götter in eine Narzisse verwandelten. Der inzwischen sprichwörtlich gewordene Narzissmus geht auch auf diesen selbstverliebten griechischen Schönling zurück, auf diesen Beau der Antike. Was das nun heißt, dass gerade im Ausseerland so viele Narzissen zu finden sind, darauf soll sich jeder seinen eigenen Reim machen. Erstens – die vielen Narzissen!

 

2. Der Dichter: Wenn schon die sog. Dichternarzisse in diesen Tagen das Kommando führt, dann sollte nicht nur die Narzisse, dann sollten auch die Dichter geehrt werden. Stellvertretend darf ich einen herausheben. Es ist ein Dichter, der irgendwie automatisch mit Narziss und den Narzissen in Verbindung gebracht wird – es ist der Dichter Hermann Hesse. Eines seiner Meisterwerke trägt den Titel „Narziss und Goldmund“. Hesse hat es in den Jahren 1927 – 1929 geschrieben. Es ist die Geschichte einer Freundschaft und Versöhnung zwischen den beiden Hauptfiguren Narziss und Goldmund. Eigentlich geht es um den Versuch, vorhandene Pole und Gegensätze, die es in jedem Menschen gibt, zu versöhnen, das Gespaltensein des Menschen zu überwinden. Wie findet der Mensch seinen Frieden? Vom Geist und den Sinnen getrieben, vom Logos aber auch vom Eros bestimmt, ist der Mensch getrieben immer wieder aufzubrechen, zugleich möchte er daheim sein und bleiben können. Er sehnt sich nach Ruhe und Harmonie, zugleich sucht er den Rausch und möchte das Leben mit allen Sinnen genießen. An den zwei grundverschiedenen Hauptfiguren, an Narziss und Goldmund, schildert Hesse, wie sehr das Leben ein Kampf ist. Das Leben kann aber auch eine Geschichte der Freundschaft und der Versöhnung sein. Für dieses Werk ist Hesse in der unsäglichen Nazizeit heftig angefeindet worden. Studenten haben sich stark gemacht, dass es verboten und verbrannt wird! Es lohnt sich, wieder einmal zu diesem Klassiker zu greifen und einzutauchen in dieses zeitlose Lebens-Buch: Narziss und Goldmund vom Dichter Hermann Hesse.

 

3. Die Medien: Omnipräsent sind die Medien an diesem Sonntag im Ausseerland. Umgekehrt gilt, dass Dank der Medien Aussee mit seinem Narzissenfest im Rest der Welt präsent ist. Es gilt ja die alte Devise: "Was nicht in den Medien ist, das ist auch nicht in der Welt." So fügt es sich gut, dass heute in der Weltkirche der Welttag der sozialen Kommunikationsmittel gefeiert wird, dass heute also der sog. „Medien-Sonntag“ begangen wird.

Kirche und Medien, das ist ein heißes Eisen, das ist eine immer wieder spannende Sache. Kirche und Medien, diese zwei haben viel Gemeinsames und sie haben viel Trennendes. Interessant ist für mich, dass gerade der Vatikan im Umgang und im Nutzen der Medien beispielgebend ist, dass es also in puncto Medien aber auch schon überhaupt keine Berührungsängste oder Benützungs-Ängste im Vatikan gibt. Radio Vatikan sendet seine Botschaft seit Jahrzehnten überall in die Welt hinaus, auch der L’Osservatore Romano, das Internet und die homepage des Hl. Stuhls sind Paradebeispiele, wie man die Medien gescheit nützt.

Ich möchte heute aber nicht den Papst zu Wort kommen lassen, sondern den emeritierten Kardinal von Mailand - Carlo Maria Martini. Im Styria-Verlag ist von Kardinal Martini schon vor vielen Jahren ein Buch erschienen mit dem Titel „Einschaltung“. Am Ende dieses Buches steht ein Gebet. Einen Teil dieses Gebetes möchte ich nun zum Schluss der Predigt vorlesen:

"Gib, Herr, dass die Antennen und die Kirchtürme lernen, miteinander zu sprechen. Hilf deiner Kirche, das Volk des Dialogs zu sein, fähig, zu reden und Kommunikation zu leben im Inneren und mit allen. Hilf uns, uns selbst und andere zu erziehen zu einem freien und befreienden Umgang mit den Medien... Schenke uns..Menschen, die fähig sind, in ihrem Leben Antennen und Kirchturm zu verbinden."

Und dann wird der große Kardinal aus dem Jesuitenorden ganz franziskanisch in seinem Beten:

„Sei gepriesen, Herr, mit all deinen Geschöpfen, besonders für Bruder Fernseher, der Stunden unseres Tages ausfüllt; schön ist er und strahlend in mächtigem Glanz, ein Gleichnis deiner Herrlichkeit.

Sei gepriesen, Herr, für Bruder Radio, durch den die Nachrichten die Himmel durchqueren und die Welt mir nahekommt.

Sei gepriesen, Herr, für Schwester Zeitung, die mich informiert über die dunklen Wolken und Heiteres...durch die du das Wissen und die Reflexion vieler deiner Geschöpfe nährst.

Sei gepriesen, Herr, für die, die uns informieren, durch die du den Verstand erleuchtest und unserem Herzen Freude und Kraft schenkst, wenn sie der Wahrheit dienen...

Sei besonders gepriesen, Herr, für die Benützer der Medien, die sich daran erinnern, dass nichts auf Erden mehr zählt als die menschliche Person...

Sei gepriesen, Herr, für alle, die daran denken, dass alles vergeht und du allein bleibst.

Lobt ihn alle, ihr Bewohner des 'globalen Dorfes', vereint eure Stimme mit der aller Geschöpfe."

Soweit der betende Kardinal -  noch lange bevor mit dem Computer oder dem Handy weitere große Schritte in der Informations-Technologie gemacht worden sind. Der frühere Mailänder Kardinal ist jedenfalls eine positive Stimme zum Thema Kirche und Medien, ein hoher Amtsträger der Kirche, der nicht einfach einstimmt in die sonst so oft übliche Medien-Schelte. So möge es sein und bleiben. Amen.