Festmesse „160 Jahre Bürgermusikkapelle“ – Bad Aussee 2011-07-10
Ich habe wie üblich drei Punkte für die Predigt
– Wort, Bild und Lied.
Eigentlich ist es heute ein einziges
Thema, das durch die Lesung und das Evangelium vorgegeben ist: das Wort, das
Wort Gottes. Aber wir sind mit herrlichen Bildern konfrontiert worden,
die das Schicksal des Wortes Gottes verdeutlichen: In der Lesung war es das Bild
vom Regen, der nicht sinnlos auf die
Erde fällt; das Bild vom Samen ist in
der Lesung und im Ev vorgekommen - je nach der Beschaffen-heit des Bodens geht
der Same auf und bringt Frucht oder er verdirbt und bringt keine Frucht. Ein
starkes Bild für das Wort, für das Schicksal des Wortes.
Das Lied schließlich meint das gesungene
Wort, wobei der Gesang oft das Wort um ein Vielfaches verstärken kann. Denken
wir nur an das Wort des hl. Augustinus:
„Wer singt, der betet doppelt!“ Gesang und Musik haben einfach noch ganz
andere Möglichkeiten uns zu treffen. Darum ist es besonders wertvoll und
kostbar, wenn bei unseren Feiern in der Kirche Musik und Gesang einen wichtigen
Stellenwert haben. Hier in der Kirche, aber auch draußen im Alltag sind Musik
und Gesang unverzichtbar. Sie öffnen
den Raum für das Göttliche. Sie überwinden vorhandene Grenzen. Musik und Gesang
weiten den Menschen für die ungeahnten Möglichkeiten Gottes mit ihm.
Wort, Bild und Lied – diese drei sind
also das Thema der heutigen Sonntagspredigt.
1. Wort:
„Alles ist durch das Wort geworden!“
heißt es im Johannes-Prolog. Alles - die Welt, die Menschen, die Kirche!
Alles ist durch das Wort geworden. Alles ist ein Wort. Alles ist eine Botschaft.
Alles kann so etwas wie ein Sakrament sein – die Welt, die Menschen, die Kirche.
Es gibt letztlich nichts, was nicht Wort ist, was nicht ein Wort sein könnte.
Und doch gilt es gerade beim Wort das
rechte Maß zu finden: Ein Zuviel an Wort bedeutet Geschwätzigkeit, ein
Zuwenig an Wort kann lähmen und isolieren. Gegen den Wortschwall und die
Inflation der Wörter erinnere ich an die nüchterne Feststellung des hl.
Augustinus: „Wo die Wörter sich
mindern, da wächst das Wort!“ Wider das Verstummen und sich bloß mehr
Anschweigen höre ich den Appell des Paartherapeuten Lukas M. Moeller:
„Ein Paar, das nicht mehr miteinander
spricht, verlernt sich kennen!“ Menschen in Extrem-Situationen haben es
immer wieder bestätigt, wie wichtig das Wort ist. Das Wort ist so etwas wie ein
Lebensmittel, oft sogar ein Überlebensmittel! Das gilt für Spitzen-sportler
genauso wie für Soldaten im Krieg oder Gefangene in einem KZ: Sie haben oft nur
deshalb gewonnen oder überlebt, weil sie ein Wort gehabt haben, ein Wort, das
für sie wichtig war, wichtig wie Wasser, wichtig wie Brot. Und damit sind wir
schon beim Zweiten, beim Bild, bei den Bildern für das Wort.
2. Bild:
Die ganze Bibel ist voll von großartigen Bildern, Bild-Worten,
Erzählungen. Denken wir nur an Adam und Eva, Kain und Abel, an Noah und die
Sintflut, denken wir Abraham, an David, Saul und Jonathan. Oder denken wir im NT
an die Reden Jesu, die meist Bildreden gewesen sind,
Gleichnisse – vom barmherzigen Vater
und dem verlorenen Sohn, vom guten Hirten und dem verlorenen Schaf, das
Gleichnis vom Senfkorn, vom Schatz im Acker, von der kostbaren Perle oder den
Talenten. Und nicht zuletzt die wunderbaren
Ich-bin-Worte im Johannes-Ev: Ich bin
die Tür, der Weinstock, das lebendige Wasser, das Brot vom Himmel usw. Wenn
heute große Denker behaupten, dass die Zeit der großen Erzählungen vorbei sei,
dann mögen sie vielleicht Recht haben. Aber es gibt weiterhin und Gott sei Dank
zumindest viele kleine Erzählungen und Leute, die einfach und gut erzählen
können. Eine großartige Erzählerin, die mitten unter uns lebt und eben 70
geworden ist, ist die Altausseerin Barbara Frischmuth. Für sie war
die Scheherazade wegweisend, diese
Geschichten aus „1001 Nacht“, die sie
mit 12 Jahren bereits verschlungen und zum Selber-Erzählen angeregt haben.
Nachdrücklich empfehle ich auch das aktuelle Buch von Arno Geiger - die
Geschichte über seinen an Alzheimer schwer erkrankten Vater. Arno Geiger hat für
dieses schwierige Thema den wunderbaren Titel gefunden:
„Der alte König in seinem Exil“. Ein
Bild, ein großartiges Wort-Bild, das alle sofort verstehen, die jemals mit einem
dementen Menschen zu tun gehabt haben… Damit möchte ich drittens noch zum Lied,
zum gesungenen, zum vertonten Wort kommen.
3. Lied/Musik und Gesang:
Udo Jürgens kommt einem irgendwie automatisch in den Sinn mit seinem Lied
„Mein Bruder ist ein Maler“. Dort
heißt es dann ja überraschenderweise, dass dieser malende Bruder sich hin und
wieder denkt: „Ja, mein Bruder, ist ein
Sänger, und ein Lied aus seinem Mund, das sagt mehr als manches Bild je sagen
kann!“ Wenn schon ein Bild oft mehr als 1000 Worte sagen kann, wie hoch ist
dann erst Musik und Gesang zu schätzen! Ich denke da aktuell an das, was sich
gerade in der Steiermark abspielt mit der sog. „Chor-WM für Kinder- und
Jugend-Chöre“: 120 Chöre aus aller Welt sind bei uns zu Gast, 5000
SängerInnen. Da ist es ja wirklich ein Glück, dass die meisten Chöre in Aussee
schon im reiferen Semester sind. Sonst hätten wir am Freitag kein Festkonzert im
Kurhaus gehabt mit dem Frauenchor und dem MGV Liedertafel. Sonst gäbe es heute
nicht diese Festmesse mit dem Kirchenchor. Diese Chöre wären gewiss bei der WM
in Graz dabei – für die laufende Chor-WM sind unsere Chöre in gewissem Sinn also
„überqualifiziert“ und davon profitieren wir bei unseren Gottesdiensten…Ich
möchte uns einmal vor Augen halten, wie
viele schöne und festliche Gottesdienste wir im vergangenen Monat allein in der
Ausseer Stadtpfarrkirche gehabt haben: Pfingstsonntag mit der Missa brevis von
Th. Dubois aufgeführt durch den
Kirchenchor; Pfingstmontag, die Firmung, mit der Ausseer Sound Factory,
Dreifaltigkeits-Sonntag mit einem Schulchor des BG Stockerau, vor 14 Tagen die
Aufnahmefeier von 9 Ministranten, letzten Sonntag die Festmesse zum Abschluss
der Ausseer Gespräche mit Orgelstücken von Hermann Markus Pressl, einem
großartigen Bertl Mütter an der Posaune und dem Psalm 23 in hebräischer Sprache.
Und heute die „Missa deo gratias“ von
Prof. Franz Reichhold. „Deo gratias!“ sage ich nach jeder Messe
mit den Ministranten in der Sakristei. Und dann füge ich gerne hinzu:
„Und auch euch ein großes Danke für euren
Dienst!“
„Danke“
und „Vergelt`s Gott“ sage ich ganz herzlich allen, die immer wieder durch
Musik und Gesang Gott ehren und uns Gottesdienst-Feiernden eine große Freude
machen. So ist es und so soll es bleiben. Amen.