Predigt bei den Florianimessen 2010:
1.
Mein erster Predigtgedanke bezieht sich auf die Lesung, die wir vom Gedenktag des hl. Florian gehört haben - eine Stelle aus der Offenbarung des Johannes, eine Vision, die Johannes geschenkt wurde: In einer Vision sieht und hört Johannes vom Sieg des Guten über das Böse! Das Böse in der Welt ist ein Faktum, das sich nicht leugnen lässt. Es ist eine Größe, die man besser nicht bagatellisieren sollte. Aber es hat nicht das letzte Wort, Gott sei Dank!
Solche und ähnliche Visionen haben Menschen beflügelt, Gutes zu tun und Böses zu meiden. Visionen ermutigen Menschen, sie geben uns Kraft. Visionen sind sinnstiftend. Ich kann es nur allen wünschen, dass sie kleine und große Visionen für ihr Leben haben. Ich kann es nur allen wünschen, dass sie Ziele haben, die Orientierung geben.
Die Feuerwehren haben ihr Ziel kurz und prägnant formuliert: Gott zur Ehr, den Nächsten zur Wehr!
Damit ist es bestens auf den Punkt gebracht, worum es geht: Es geht um Gottesdienst und Menschendienst. Es geht um ein Engagement zur Ehre Gottes und zum Segen der Menschen. Wer nur irgendwie in der Bibel und im christlichen Glauben bewandert ist, erkennt im Hintergrund sofort das Hauptgebot der Liebe: die Gottes- und die Nächstenliebe. – Gott zur Ehr, den Nächsten zur Wehr – der Leitsatz und das Ziel der Feuerwehren, eine Vision, die Kraft gibt und Sinn stiftet bei jedem Einsatz!
2.
Meinen zweiten Predigtgedanken formuliere ich so: Der einzelne und die Gemeinschaft – Ich, du, wir!
Wenn wir ganz genau auf den Gedenktag des hl. Florian schauen, dann wird der Patron der Feuerwehr immer persönlich, mit Namen genannt – aber er wird nie allein genannt! Offiziell feiert die Kirche am 4. Mai den Gedenktag des hl. Florian und der hl. Märtyrer von Lorch. Es wird also nie nur der hl. Florian gefeiert, es wird auch immer der 40 weiteren Christen gedacht, die wie er als Märtyrer gestorben sind. Im verg. 20. Jh. sind ja bei Ausgrabungen in Lorch an der Enns tatsächlich auch die Gräber dieser 40 Märtyrer gefunden worden…
Es ist ein schöner Fingerzeig, wenn bei den Gottesdiensten in der Kirche sowohl des einzelnen gedacht wird, des hl. Florian, als auch dieser treuen Gemeinschaft von 40 Gläubigen, die für ihren Christusglauben im Jahr 304 getötet worden sind.
Es braucht immer beides: es braucht die starke einzelne Persönlichkeit, aber es braucht auch die Gemeinschaft. Das gilt für die Feuerwehr, das gilt für die Kirche, das gilt auch für die Politik: Jeder einzelne mit seinen Ideen und seiner Tatkraft ist wichtig und notwendig. Es braucht aber auch das Miteinander. Es braucht die größere Gemeinschaft. Besonders stark sind wir, wenn viele starke Persönlichkeiten am selben Strick in dieselbe Richtung ziehen. Wie so oft kommt es auf den rechten Geist an. Es kommt auf den Teamgeist an, den es braucht, damit ein Werk gelingt.
3.
In einem großen Standartwerk über die Heiligen unserer Kirche habe ich beim hl. Florian gelesen, dass er praktisch nirgendwo in einer Bauernstube in Bayern fehlt, dass er dort und in Österreich hoch verehrt ist und viele Kinder und Ortschaften nach ihm benannt sind. Der hl. Florian gehört (wie der hl. Ägidius) zu den sog. 14 Nothelfern. Florian ist der Nothelfer gegen alle Gefahren, die vom Feuer und vom Wasser ausgehen. Wehe, wenn sie losgelassen – diese Elementarkräfte Feuer und Wasser! So faszinierend das Feuer sein kann, so lebenswichtig das Wasser ist – wehe, wenn diese Elemente außer Kontrolle geraten. Da hat es schon genug kleine und große Katastrophen gegeben…
Es ist darum nicht allzu verwunderlich, dass der bei uns so beliebte hl. Florian auch im übertragenen Sinn als Nothelfer und Fürsprecher angerufen wird. Das zeigt sich z. B. in einer Inschrift an einem Haus in Österreich. Diese Inschrift lautet: „Es brennt, o hl. Florian, heut’ aller Orts und Enden. Du aber bist der rechte Mann, solch Unglück abzuwenden!“
Glauben heißt vertrauen. Auch die Heiligenverehrung hat mit Vertrauen zu tun: dass wir uns der Fürsprache der Heiligen anvertrauen; dass wir darauf vertrauen, dass sie bei Gott für uns in die Bresche springen. Die Heiligen sind die wahren Freunde Gottes, genauso wie sie unsere Freunde sind, unsere Nothelfer und Fürsprecher bei Gott.
So kann ich allen Einrichtungen, allen Organisationen, den Häusern und Familien nur nachdrücklich empfehlen, darauf zu schauen, dass sie aus der großen Schar der Heiligen wenigstens einen auswählen als persönlichen Schutzheiligen. Die Feuerwehr hat sich da längst schon entschieden. Sie hat „ihren“ Heiligen gefunden (Florian), ganz so wie die Bergleute schon seit langer, langer Zeit „ihre“ Heilige gefunden haben (Barbara), wie die Jäger ihren Heiligen haben (Hubertus) und viele andere auch…
Möge der hl. Florian weiterhin seine schützende Hand über alle unsere Feuerwehrleute halten. Dann können sie helfen, wo Hilfe nötig ist. Dann können sie ihrem Ideal und Ziel dienen – Gott zur Ehr, den Nächsten zur Wehr! Amen.