Predigt am Passions-Sonntag 2010 im Rückblick auf die Syrien-Reise der Ausseerlandpfarren vom 26. 2. – 5. 3. 2010:
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, sagt der Volksmund! Wenn 29 Leute zu einer Pfarr-Reise nach Syrien aufbrechen, dann gibt es tatsächlich viel zu erzählen. In der heutigen Predigt möchte ich das tun. Ich muss mich allerdings einschränken auf drei Stichwörter: Paulus/Damaskus/Syrien.
1. Stichwort: PAULUS:
Schon im Vorjahr, im sog. Paulus-Jahr waren wir auf den Spuren des Völkerapostels unterwegs. Wir waren u. a. in seiner Geburtsstadt Tarsus in der heutigen Türkei. Auf die Spuren des hl. Paulus sind wir auch heuer wieder gestoßen: Start und Ziel unserer Pfarr-Reise war die 5 Mio Stadt Damaskus, die Hauptstadt Syriens. Wir sind dort an den drei Stellen gewesen, die für Paulus und damit für die ganze Kirche von großer Bedeutung gewesen sind: der Ort der Bekehrung des frommen Pharisäers: diese Szene ist ja auch das Thema des Hochaltarbildes der Stadtpfarrkirche in Bad Aussee, die der Bekehrung des Apostels Paulus geweiht ist; dann das Haus des Hananias – damit ist die Taufe des Heidenapostels markiert, das Ende seiner Blindheit und Verblendung; schließlich waren wir bei der alten Stadtmauer von Damaskus, wo die Stelle zu sehen ist, an der Paulus fluchtartig die Stadt verlassen hat, weil ihm von aufgebrachten jüdischen Glaubensbrüdern nach dem Leben getrachtet wurde.
Bekehrung – das ist das große Thema des hl. Paulus in Damaskus, die Gnade der Bekehrung zum Glauben an Jesus den Christus. Umkehr und Buße, Bekehrung, Wandel und Neubeginn – das ist und bleibt für alle Gläubigen ein Auftrag, ein Dauerauftrag über die österliche Bußzeit hinaus.
2. Stichwort: Damaskus:
„Mutter aller Städte“, „Diamant der Wüste“, „Braut der Erde“, „Perle des Morgenlandes“ – das alles sind Namen, die man der Metropole von Syrien gegeben hat. Schon dadurch wird die Bedeutung von Damaskus ersichtlich. Ich möchte mit dem Stichwort „Damaskus“ auf zwei Namen verweisen, die neben dem Apostel Paulus untrennbar mit dieser großartigen Stadt in Verbindung sehen: Johannes von Damaskus, der Theologe, und Rafik Schami, ein deutsch-syrischer Schriftsteller unserer Zeit.
Mit Damaskus ist in der Theologiegeschichte untrennbar ein Name verbunden: Johannes von Damaskus: Der Kirchenlehrer und Patron der Studierenden der Ostkirche lebte von 650 bis 754. Die erste Hälfte seines Lebens hat er in Damaskus verbracht und dabei auch ein hohes politisches Amt ausgeübt. Die zweite Lebenshälfte verbrachte er im Kloster Mar Saba bei Jerusalem, wo er 105jährig gestorben ist. Seinem Geist und seiner Spiritualität verdanken wir es, dass sich im sog. Bilderstreit die Verehrung der Ikonen durchgesetzt hat. Ich bringe dazu ein Zitat des Heiligen. Er sagt: „Die Schönheit und die Farbe der Bilder regen mein Gebet an. Sie sind ein Fest für meine Augen, so wie das Bild der Landschaft mein Herz anregt, Gott zu preisen.“
Rafik Shami ist ein Pseudonym für einen großartigen Erzähler und Schriftsteller, der 1969 Syrien verlassen hat, seit 1971 in Deutschland lebt und der ein begnadeter Brückenbauer zwischen Orient und Okzident ist. Rafik Shami heißt übersetzt „der aus Damaskus kommt“ bzw. „Freund der Damaszener“. Ich habe auf der Syrienreise eine Vielzahl von Zitaten aus seinen Werken vorgelesen, hier muss ich mich auf drei Zitate einschränken. Sie stammen aus seinem Buch „Das Geheimnis des Kalligraphen“ aus dem Jahr 2008:
Gott hat die Gesichter erschaffen, damit wir sie sehen und erkennen. Das Herz macht fromm – nicht der Schleier.
Das Wasser in den Augen des Geliebten…kommt aus den Wolken seines Herzens.
Die Fee sagte zu dem Mann, dass er einen Wunsch frei habe. Da wünschte er sich eine Brücke von Damaskus bis Honolulu. Die Fee verdrehte die Augen und jammerte, dass sei schwer für sie, ob er keinen leichteren Wunsch hätte. Ja, sagte er, er wolle seine Frau verstehen. Da fragte die Fee, ob er die Brücke nach Honolulu ein- oder zweispurig wünsche…
3. Stichwort: Syrien
Wir waren alle positiv überrascht über das gute Miteinander der Religionen im arabischen Staat Syrien und über die herrschende Sicherheit vor Ort. Eigentlich war nirgendwo das Militär präsent. Polizisten gab es schon zu sehen, aber nur um souverän und freundlich den zum Teil chaotischen Verkehr in den Großstädten zu regeln.
Syrien ist ein Land voll Geschichte und Kultur. Während bei uns noch Steinzeit war, hat es dort bereits Hochkulturen gegeben. In Ugarit ist das älteste Alphabet der Welt bei Ausgrabungen gefunden worden. Großartige Funde haben wir in einem Museum in Aleppo zu Gesicht bekommen. In Maaloula wird heute noch Aramäisch gesprochen - eine junge Frau hat uns das Vater Unser in der Muttersprache Jesu vorgebetet. Dort haben wir eine hl. Messe gefeiert, ebenso in Palmyra in Anwesenheit des syrisch katholischen Pfarrers, der dort die letzten sieben verbliebenen christlichen Familien betreut. Wir sind an vielen Kraftplätzen gewesen. Der bekannte Radiästhet und Geomantiker Peter Komarek mit seinem besonderen Feeling konnte immer wieder bestätigen, dass die Alten genau wussten, wo die richtigen Kraftplätze für Kultorte sind. Am meisten Energie hat Komarek übrigens im ältesten durchgehend bewohnten Kloster der Welt in Sednaya gespürt – hinter einer Panzerwand: dort wird bekanntlich die Marien-Ikone des hl. Lukas aufbewahrt, das erste Marienbild, das seit 70 Jahren nur mehr orthodoxe Bischöfe zu Gesicht bekommen, wenn sie vorher 40 Tage lang gefastet haben…!
Mit dem Stichwort Syrien verbinde untrennbar den Namen: Ephräm den Syrer: Er hat im 4. Jh. n. Chr. gelebt und gewirkt. Der hl. Ephräm war der größte Dichter der Väterzeit. Er hat die syrische Kirche nachhaltig geprägt. Sein Nachlass soll drei Millionen Textzeilen umfassen.
Von ganz besonderer Bedeutung sind seine Hymnen und Lieder. „Zither des hl. Geistes“ wird er genannt. Daher möchte ich von ihm aus einem Hymnus zum Hl. Geist ein paar Zeilen zitieren, die die Prägnanz und den Bilderreichtum seiner Sprache illustrieren. Ephräm sagt: „Siehe die Gleichnisse: Sonne und Vater, Licht und Sohn, Wärme und Hl. Geist!... Der Heilige Geist hat mit seiner Wärme durch die Zungen das Schweigen vertrieben aus den Jüngern… Der Heilige Geist hat durch die Zungen von Feuer…gelöst die Macht der Kälte und hat die Furcht vertrieben aus den Jüngern. Und es floh das Schweigen von den Zungen durch die Zungen.“
Wo immer „die Aussiger“ sind, da rennt der Schmäh, da schont sich gegenseitig aber auch schon überhaupt nicht. Unser mitgereister Herr Hofrat und pensionierter Bezirkshauptmann kann davon ein Lied singen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
So möchte ich am Schluss der Predigt heute bewusst einen irischen Seelsorger zitieren, dem es heute wohl ähnlich geht wie vielen Seelsorgern bei uns. Pfarrer Sidney Laing aus Dublin hat einmal neun Gründe genannt, warum es besser ist, sich niemals zu waschen. Diese neun Gründe sind eine deutliche Anspielung auf die vielen Ausreden der Leute, warum sie denn sonntags nicht in die Kirche gehen:
1. Als Kind wurde ich immer zum Waschen gezwungen.
2. Menschen, die sich waschen, sind Heuchler. Sie glauben, sie seien sauberer als andere Menschen.
3. Es gibt so viele verschiedene Seifensorten. Ich wüsste nie, welche die richtige für mich ist.
4. Ich habe mich früher gewaschen, aber es wurde langweilig. Da habe ich aufgehört.
5. Ich wasche mich immer noch, aber nur zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder Ostern.
6. Keiner meiner Freunde wäscht sich.
7. Ich bin noch jung, aber wenn ich älter und ein wenig schmutziger bin, dann wasche ich mich vielleicht.
8. Ich möchte nicht die Idee fördern, die Seife herzustellen. Sie sind nur hinter dem Geld her.
9. Mir gefällt unser Badezimmer nicht. Es soll zuerst umgebaut werden, dann werde ich mich waschen.
Unsere Pfarr-Reise hat uns mit vielen Erlebnissen, Bildern und Eindrücken beschenkt und gewiss auch mit der einen oder anderen Erfahrung. Sie hat auf jeden Fall Lust gemacht, auch im nächsten Jahr wieder aufzubrechen. Beides gehört zum Glauben und zum Leben: das Aufbrechen, aber auch das Bleiben. Am allerwichtigsten freilich ist der Weg nach innen! Heute wünsche ich uns allen daher einen trotz der Wahl besinnlichen Passionssonntag 2010!