Guter-Hirten-Sonntag 2010

 

In meiner Predigt zum sog. Guten-Hirten-Sonntag möchte ich erzählen und deuten, was rund um die Priesterweihe geschieht. Denn da wird sehr schön deutlich, worum es bei geistlichen Berufen geht, für die wir ja heute ganz besonders beten:

1.

Vor der Weihe, die letzten Tage vor der Weihe machen die Weihekandidaten Exerzitien, d. h. Übungen, geistliche Übungen. Noch einmal stellen sie ihren Weg in Frage, noch einmal unterziehen sie sich einer Prüfung auf „Herz und Nieren“, noch einmal lassen sie sich und ihre Berufung hinterfragen. Sat periculosum est hoc! hat es früher in der Weiheliturgie fast abschreckend geheißen: Höchst gefährlich ist es, was ihr da anfangt! Bedenkt, mit wem ihr es zu tun habt, wenn ihr euch in den Dienst Gottes stellt! Bedenkt, was ihr tut!

In dieser Exerzitienwoche geht es v. a. ums Hören auf den Willen Gottes, ums Hören auf das Wort Gottes. Der Apostel Paulus hat es auf den Punkt gebracht: Der Glaube kommt vom Hören. Für das Wort Gottes, für den Willen Gottes sollen sie ganz Ohr sein. Geistliche müssen wissen, wem sie gehören, wem sie Gehorsam schuldig sind. Dazu ist es gut, wenn man sich noch einmal zurückzieht, wenn man in die Stille geht, wenn man sich geistlich führen und begleiten lässt. Dem also dienen die Exerzitien, darauf konzentriert man sich in den letzten Tagen vor der Weihe.

2.

Die Weihe selber wird im Rahmen eines Gottesdienstes gespendet. Gottesdienst meint wirklich und zuerst Dienst Gottes, Geschenk Gottes an uns. Am Beginn des Weihe-Gottesdienstes werden die Kandidaten vorgestellt. Sie werden dem Bischof und der Gemeinde präsentiert. Das macht natürlich nicht irgendwer sondern der Regens des Priesterseminars. Er ist mit den Weihekandidaten über Jahre einen gemeinsamen Weg durch Höhen und Tiefen gegangen. Er hat auch noch andere Leute befragt, ob sie die Kandidaten für geeignet halten, wie z. B. Professoren an der Universität, den Heimat- und Praktikumspfarrer, Angehörige und Bekannte. Den Regens nimmt der Bischof in die Pflicht und fragt ihn in aller Öffentlichkeit: „Glaubst du, dass sie würdig sind?“ Diese Frage ist sehr wichtig. Für den Priesterberuf genügt es eben nicht, dass einer aufzeigt und meint, er sei berufen. Es braucht die Bestätigung durch die Kirche. Priestersein kann man nur ganz konkret – entweder in einer Diözese oder in einem Orden. Es braucht also den Bischof, es braucht eine Ordensgemeinschaft, die die Berufung prüfen, die sie bestätigen oder verwerfen.

3.

Dann, am Beginn der eigentliche Weihehandlung, kommt es zu einem ergreifenden Ritual: Die Weihekandidaten legen sich flach auf den Boden! Sie strecken sich auf der Erde aus – ganz so, wie es der Priester am Karfreitag am Beginn der Liturgie tut zum Gedenken an den Tod Christi!

Sich auf die Erde werfen und am Boden ausstrecken - das ist noch einmal mehr als Knien, das ist völliges Sich-Klein-Machen, das ist vollkommene Bereitschaft zum Dienst. Wie ein Verlierer/Besiegter am Boden liegen – das ist demütigend. Demut, Mut zum Dienen, ist Voraussetzung für den priesterlichen Dienst. Früher, unter Altbischof Weber haben wir daher gerne davon gesprochen, dass wir die Weber-Knechte sind. Jetzt, unter Bischof Kapellari, sind wir halt die Kapillar-Gefäße: D.h. wir sind dieses feine Netzwerk, das für den Körper so wichtig ist, weil es ihm die nötigen Nährstoffe zuführt und Abfallstoffe wieder abtransportiert. Irgendwie denkt man hier auch unwillkürlich an das herrliche Pauluswort: Wir sind nicht die Herren über euren Glauben, wir sind Diener eurer Freude!

4.

Nach der Weihe – was tun da die neu geweihten Priester als erstes? Sie reihen sich ein in das Presbyterium der Diözese. Mit den Worten des 2. Vatik. Konzils gehören sie nun zur sog. sakramentalen Bruderschaft. Mit dem Bischof, den Priestern, den Diakonen und dem ganzen versammelten Volk Gottes feiern sie als erstes die Eucharistie! D. h., es drängt sie zur Danksagung. Das hat Priorität, das ist das erste, was sie nach ihrer Weihe tun: Gott Dank sagen, die Eucharistie feiern. Und das tun sie in Konzelebration mit allen anderen. Zusammen mit dem auferstandenen Christus bringen sie mit dem Bischof, den Priestern, den Diakonen, der Gemeinde und dem ganzen Chor der schon Vollendeten dem himmlischen Vater die Eucharistie dar, das Opfer des Lobes und des Dankes.

5.

Zuletzt, ganz am Schluss der Weiheliturgie steht noch einmal ein kleines Zeichen: Der Bischof (!) bittet die Neupriester um den Segen – er bittet sie um den Primiz-Segen! Segnen, das gehört zu den schönsten und wichtigsten Aufgaben jedes Priesters. Wer segnet, wird gesegnet! Das erfahren Eltern genauso wie Seelsorger: Segnen bringt Segen! Wir sind tatsächlich alle berufen, priesterlich zu wirken, segnend füreinander da zu sein. Egal, ob ich diese priesterliche Berufung als Mutter oder als Vater lebe, als Pate oder als Großeltern, oder ob ich es als Geweihter tue, als Diakon, Priester oder Bischof: Wir alle sind berufen ein Segen zu sein!

6.

Heute bitten und beten wir um genügend geistliche Berufe für unser Land und weltweit. Es ist wichtig, dass es in der Kirche ein positives Klima für geistliche Berufe gibt. Es ist wichtig, dass wir den Boden bereiten, auf dem geistliche Berufungen wachsen können. Auch für geistliche Berufe gilt, was die sel. Mutter Teresa von Kalkutta gesagt hat: Nötiger als Brot braucht der Mensch die Gewissheit erwünscht zu sein! Das heißt also für Leute, die eine Berufung zum Priester in Erwägung ziehen: Nötiger als Brot brauchen sie die Gewissheit, dass sie als Priester erwünscht sind! Amen.