Dreifaltigkeits- und 51. Narzissenfest-Sonntag 2010

Wir feiern in der Weltkirche den Dreifaltigkeits-Sonntag. In der kleinen aber feinen Ausseer Welt feiern wir den 51. Narzissenfest-Sonntag. Es gibt so etwas eine uralte Verbindung zwischen beiden: Die frühchristlichen Mönche, wie z. B. der hl. Patrick, haben versucht bei ihren Missionspredigt das Geheimnis der Dreifaltigkeit durch Bilder aus der Natur zu erklären. Ein beliebtes Bild war das vom Klee: der eine Klee-Stengel und die drei Blätter. Es ist ein Klee, aber er hat drei verschiedene Blätter. So wie ein Gott ist, ein göttliches Wesen, aber in der Verschiedenheit der drei göttlichen Personen, Vater, Sohn und Hl. Geist. Wir wissen, wie relativ solche Bilder, nie sind sie ein Beweis, wohl aber können sie so etwas wie eine Spure sein, ein Hinweis. Wir wissen, wie die menschliche Sprache versagt und wie jeder Vergleich hinkt zwischen Schöpfung und Schöpfer. Jede Ähnlichkeit ist nur der Hinweis auf eine noch viel größere Unähnlichkeit.

Wenn der hl. Patrick schon auf den Klee zurück gegriffen hat, um den Menschen seiner Zeit etwas über die allerheiligste Dreifaltigkeit zu sagen, dann darf ein Ausseerlandpfarrer heute ganz gewiss einmal in der Predigt etwas durch die Blume sagen.

Die Botschaft der Blumen ist biblisch gesehen ambivalent: Einerseits sind sie großartige Boten der Liebe, der Verehrung, der Schönheit, des Glücks und der Freude, die man gerne mit anderen teilen möchte. Andererseits halten uns gerade die Blumen überdeutlich vor Augen, wie vergänglich wir sind, wie kurzlebig alles ist – heute noch wunderschön, morgen bereits welk, farb- und leblos! Aber so ist es eben mit uns Menschen, mit unserem Leben: es kann wunderschön sein, es kann aber auch ganz plötzlich aus und vorbei sein. Die Kunst besteht wohl darin, dass wir versuchen, alles anzunehmen, dass wir wirklich alles anzunehmen versuchen als gottgewollt und gottgegeben.

Im Alten Testament ist neben dieser Ambivalenz von den Blumen vor allem im sog. Hohelied die Rede, in dieser herrlichen Liebeslyrik, die auch zur Weltliteratur gehört. Da ist von der Geliebten und vom Geliebten kaum einmal die Rede, ohne dass nicht auch von den Blumen die Rede wäre.

Im Neuen Testament verweise ich auf ein Wort Jesu und auf eine Stelle beim Apostel Paulus. Bei Jesus denke ich an seine herrlichen Worte in der Bergpredigt. Ich paraphrasiere die Stelle Mt 6, 19ff kurz, wo Jesus ca. Folgendes sagt: Schaut auf die Vögel des Himmels und lernt von den Blumen auf den Feldern. Wie herrlich sind sie. Wie großartig, bunt und schön. Ihr aber seid viel mehr wert als alle Vögel und Blumen. Wenn Gott schon für sie alle so großartig sorgt, wie viel mehr dann für euch. Habt doch mehr Vertrauen und glaubt! Gott sorgt verlässlich für euch. Darum könnt ihr euch auf das eine Notwendige konzentrieren – auf das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit. Alles andere wird er euch schenken. Für alles andere wird schon Gott Sorge tragen.

Großartig auch ein Wort des hl. Paulus in 2 Kor 2, 14-15: Gott sei Dank…, der durch uns den Duft der Erkenntnis Christi an allen Orten verbreitet. Denn wir sind Christi Wohlgeruch für Gott…! Ein starkes, ein selbstbewusstes Wort des Völkerapostels über unsere Berufung als Christen, zu duften, den herrlichen Duft des christlichen Glaubens zu verbreiten, der Wohlgeruch Christi zu sein! Mahatma Gandhi hat wohl diese Stelle im Hintergrund gehabt, wie er zu zwei Geistlichen gesagt hat: „Duften Sie, meine Herrn, duften Sie!“ Diese zwei Geistlichen wussten, dass Gandhi im Westen das Christentum kennen und schätzen gelernt hat. Und so haben sie ihn gefragt, was seiner Meinung das Wesentliche am christlichen Glauben sei. Gandhis Antwort kurz und bündig: Duften Sie, meine Herrn, duften Sie. Besser hätte er den Apostel Paulus nicht zitieren können.

In der Tradition der Heiligenverehrung spielen die Blumen und Pflanzen immer wieder eine große Rolle: Denken wir an die Lilie, die der hl. Josef in seinen Händen hält und an die Palmzweige der Märtyrer als Zeichen für ihren Sieg. Denken wir an die Rosen der hl. Elisabeth oder an das geschnittene Korn der Bauernmagd Notburga.

Vor allem aber die Gottesmutter Maria wird immer wieder inmitten von Blumen dargestellt. Maria im Rosenhaag, Maria, die Rosenkranz-Königin, die geheimnisvolle Rose, die Rose ohne Dornen und die Lilie ohne Gleichen usw. usf. Das alles kommt bestimmt auch von der berühmten Legende über den Tod Mariens. Dieser Geschichte zufolge waren ja alle Apostel bei ihrem Sterben anwesend. Der Leichnam Mariens war am dritten Tag weg. Zurückgeblieben sind nur Rosen, zurückgeblieben ist ein wunderbarer Rosenduft. Das ist ja auch beim Sterben anderer Heiliger bezeugt, dass sie einen echten Wohlgeruch hinterlassen haben, dass ein herrlicher Duft von ihnen übrig geblieben ist. Wilhelm Willms hat das großartig poetisch in seinem religiösen Musical „Ave Eva“ ausgedrückt mit dem berühmten Resümee, dass sich Maria im besten Sinn des Wortes verduftet hat: Während das Sterben Mariens besungen wird, werden Blumen verteilt und die Auferstehungsglocken läuten. Wörtlich heißt es im Musical AVE EVA: Mariens Tod, eine Legende: Als Maria gestorben, da haben die Apostel ein Grab erworben und sie hineingelegt bekleidet mit einem Hochzeitskleid, Kleid gewoben aus Leid für das Fest über alle Feste weit. Und sie haben den Abschied betrauert nach alten Zeremoniell... Und als sie nach drei Tagen zum Grab kamen, sie zu salben mit Kostbarkeiten, da war das Grab ein Blumenbeet, das duftete nach Blumen, die es auf der Erde nicht gibt, Blumen, aus einem Garten, den es auf der Erde nicht gibt. – Sie hat sich verduftet, die schönste Blume auf dem Feld der Welt, Maria. Kein Leichengeruch, kein frommer Spruch... Sie hat sich verduftet, die schönste Blume auf dem Feld der Welt, Maria. Sie liegt in der Luft und nicht in der Gruft…. Es liegt in der Luft ein betörender Duft. Sie hat sich verduftet, Maria… So eine wie sie, gewinnt durch den Tod neue Blüte, so eine wie sie. Sie lebt und stirbt. Sie stirbt und lebt. – So bleibt Jesu Wort gültig: Lernt von den Blumen und duftet! Amen.