Ausseer Faschingspredigt 2010

Ich darf nun als Protokollant die Tagesordnung und das Protokoll für die jährliche Zusammenkunft am Faschingssonntag in der Kirche verlesen:

Die ersten beiden Punkte haben wir ja bereits erledigt:  Die Begrüßung war ganz am Anfang der Messe, anschließend die Besinnung, mit der Lesung und dem Evangelium am Schluss.

Der dritte Punkt ist die Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung vom Faschingssonntag 2009: Dem Vernehmen nach gab es weitgehende Zustimmung, ganz vereinzelt Kritik. Schriftlich beeinsprucht hat das Protokoll bekanntlich nur eine Person: Dr. Hannes Androsch. Da Androsch bei der Sitzung nicht anwesend war und zudem kein Stimmrecht hat gilt das Protokoll somit trotzdem als angenommen.

 

Damit kommen wir zu den Tagesordnungspunkten 04 bis 06, die den Hauptteil des Protokolls bilden – das internationale Jahr des Priesters (04), Alpenstadt 2010 (05) und die bevorstehende Gemeinderatswahl (06). Von der hohen Geistlichkeit geht’s also über das Highlight „Alpenstadt 2010“ herunter in die Niederungen der lokalen Politik.

 

TO 04: Das internationale Jahr der Priester

Es hat am Großen Herz-Jesu-Freitag 2009 begonnen und endet im Juni am Großen Herz-Jesu-Freitag 2010, wobei der Ausseerlandpfarrer mit vielen Amtsbrüdern aus aller Welt zum Abschluss in Rom sein wird. „Schwestern“ gibt’s bekanntlich auf dieser Ebene nicht, Schluss, basta! Da kann noch so viel über eine Päpstin Johanna geschrieben und gefilmt werden, da können sich die Burgschauspielerinnen aller Welt vereinen, so viel sie wollen. Priestermangel und Priestermängel hin oder her: Roma locuta, causa finita!

 

Der Priestermangel ist offensichtlich erst seit ein paar Jahrzehnten ein Problem – ein Problem freilich, dass die Kirchenleitung offenbar kaum beschäftigt, sie ist es ja gewohnt in Jahrhunderten zu denken...

Priestermängel allerdings sind etwas sehr Altes. Mit einem Zitat aus dem 7. Jh. kann ich das belegen. Der englische Erzbischof Theodore hat im Jahr 670 ein Strafregister erstellt um das Trinken im Klerus zu verringern. Wörtlich gibt er folgende Empfehlung: „Ist ein Priester so betrunken, dass er die heiligen Psalmen nur noch lallt, soll er für die Dauer von zwölf Tagen nur von Wasser und Brot leben. Ist ein Mönch so alkoholisiert, dass er speien muss, soll er dreißig Tage Buße tun. Ist ein Bischof so besoffen, dass er die Hostie auskotzt, muss er neunzig Tage Buße tun.“  - Das ist echt starker Tobak!

 

Als ich 1980 ins Priesterseminar gegangen bin, haben wir in einer Zeitung das nicht gerade ermutigende Zitat eines deutschen Bischofs gelesen, der gemeint hat: „Ein Drittel meiner Priester hurt, ein Drittel sauft und ein Drittel ist für das eine wie für das andere zu faul!“ Dass die Kirche da noch nicht untergegangen ist, das ist echt ein Beweis, dass sie mehr ist als Menschenwerk, Gott sei Dank!

 

Da lob ich mir doch die Frömmigkeit und die Bodenständigkeit einzelner Priester! Hier darf ich für Aussee an Dechant Hütter erinnern, der ja tatsächlich auch noch nebenbei Bauer gewesen ist. Als einmal in einer langen Zeit der Dürre ein junger Bauer mit der Bitte zu ihm gekommen ist, der Hr. Dechant möge doch einen Wettersegen spenden, konterte dieser mit den Worten: „Do hüft ka Beten, du Trottl, a aundara Wind muass her!“

Ein anderes Mal hat Dechant Hütter zu den Bitttagen sehr wohl die Felder und Äcker gesegnet und mit den Bauern um eine gute Ernte gebetet. Wie er aber zum Feld von einem jungen Bauern gekommen ist, der als besonders träge bekannt war, hat er den Segen mit der Monstranz verweigert. Im Weitergehen hat er laut vor sich hingesagt: „Do hüft ka Segen, da muass a Mist hin!“

 

Unter den letzten Päpsten ragt Johannes XXIII. als ebenso frommer wie bodenständiger pontifex maximus heraus. Der inzwischen zur Ehre der Altäre Erhobene hat Journalisten durch den Vatikan geführt und sich ihren Fragen gestellt. „Wie viele Leute arbeiten denn im Vatikan?“ wollte einer wissen. Die nüchterne Antwort Seiner Heiligkeit: „Na ja, ich hoffe, wenigstens die Hälfte!“ – Ich kann mir dann ja im Juni ein Bild darüber machen, ob sich da diesbezüglich im Vatikan etwas geändert hat…

 

TO 05: Bad Aussee/Alpenstadt 2010

Ist schon verrückt, oder, dass der Festakt „Alpenstadt 2010“ genau im Fasching angesetzt worden ist, verrückt, aber auch stimmig! Aussee ist eben anders. Das Anderssein hat sich Aussee ja patentieren lassen – und zwar mit seiner Nummerntafel: BA, d. h. bekanntlich „Bin anders!“ Die urigen Hinterberger müssen da mittun, ob sie wollen oder nicht. Aussee und Fasching, das gehört ganz einfach zusammen, genauso wie Aussee und Humor, wie Aussee und Lachen. Daher möchte ich den Punkt „Alpenstadt 2010“ mit zwei Anekdoten aus den Alpen illustrieren:

 

Die erste heißt „Zu zweit im Schneesturm“: Ein Priester und eine Nonne sind auf einer Fahrt in den Schweizer Alpen. Ein Schneesturm überrascht sie. Mit viel Glück können sie sich noch bis zu einer Hütte durchkämpfen. Sie bereiten sich fürs Übernachten vor. Gott sei Dank gibt es einen ganzen Schrank voller Decken, einen Schlafsack und ein Bett. Selbstverständlich überlässt der Priester der Nonne das Bett und nimmt den Schlafsack. Gerade wie er die Augen schließen möchte, hört er aus dem Bett: „Vater, mir ist kalt!“ Der Priester steigt aus dem Schlafsack und bringt der Nonne eine Decke. Knapp bevor er einschlafen kann, hört er wiederum wie die Nonne sagt: „Vater, mir ist noch immer kalt!“ Das gleiche Spiel zum zweiten: Raus aus dem Schlafsack, Decke holen, damit die Nonne im Bett zudecken und zurück in den warmen Schlafsack. Ein drittes Mal hört er es aus dem Bett: „Vater, mir ist ja sooo kalt!“ Da bleibt der Priester aber, wo er ist, überlegt kurz, schmunzelt und sagt: „Schwester! Eigentlich sind wir hier ja ganz für uns und niemand muss erfahren, was sich hier in dieser Nacht abgespielt hat. Ich hab eine Idee. Wir könnten doch einfach so tun, als wären wir verheiratet!“ Das trifft sich offensichtlich mit den Gedanken der Schwester, die wohl schon auf dieses Angebot gewartet hat und mit sanfter Stimme sagt: „Oh ja, das wäre schön!“ Worauf der Priester nur noch brüllt: „Dann steh gefälligst auf und hol dir doch deine blöde Decke selbst!“

Die zweite Anekdote „Absturz“ hat sich im Toten Gebirge oben abgespielt. Gott sei Dank stürzen die meisten Ausseer nur herunten ab und nicht oben. Und so fallen sie einfach nur um, oder vom Sessel oder vom Barhocker. Ein Ehepaar aus Schwaben hat dagegen eine Durchquerung des Toten Gebirges auf eigene Faust gemacht. Und prompt ist es in eine tiefe Doline gestürzt. Am nächsten Tag hören sie oben eine Stimme rufen: „Hallo, hier ist das Rote Kreuz!“ Worauf der Schwabe reflexartig zurückruft: „Mir gäbet nix!“ Aussee, Alpenstadt 2010: Gehen wir jetzt von den Höhen der Alpen herunter in die Niederungen der Politik, der lokalen Gemeindepolitik.

 

 

 

TO 06: Politik im Angesicht der nahen Gemeinderatswahl

In Sachen Politik geht es in Grundlsee und Altaussee noch sehr ruhig zu. Eigentlich nicht wirklich ein Wunder: In Grundlsee ist das Gemeindeoberhaupt polizeistrategisch bestens geschult, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen…

Detto in Altaussee. Hier ist der Bürgermeister inzwischen vom Lehrer zum Direktor aufgestiegen ist. Als solcher weiß er natürlich seine Autorität einzusetzen sagen die einen, er weiß seine Autorität natürlich einzusetzen sagen die anderen.

 

In Bad Aussee aber hat sich in Vorwahlkampfzeiten wie diesen schon Einiges abgespielt. So möchte ich die Betrachtungen über die Niederungen der Politik ganz auf den Morig, pardon natürlich auf „die Stadt“ Bad Aussee konzentrieren:

Gewöhnlich gut informierte Kreise in Aussee wissen zu berichten: Bürgermeister Otto Marl hat längst schon ein Portrait von sich für die Ahnengalerie im Rathaus anfertigen lassen. Dem Vernehmen nach soll „Big Otto“ aber mit dem Resultat nicht ganz zufrieden gewesen sein. Deshalb habe er darauf bestanden, dass vor „Otto Marl“ noch der Hinweis „Mt 14,27 – Otto Marl“ angebracht werde. Bei Mt 14,27 steht geschrieben: „Ich bin es, fürchtet euch nicht!“

Dem schwarzen Vizebürgermeister Franz Frosch vulgo Syen konnte bisher politisch noch nicht nachgewiesen werden, dass er je einen Bock geschossen hat. Umso besser klappt das bei der Jagd. Den zweiten von bisher drei Hirschen allein in diesem Winter hat er im Pyjama vom Balkon seines Hofes aus zur Strecke gebracht. Dazu animiert und aus dem Schlaf gerissen wurde er von seiner Gattin Maria. Der Franz ist ein echter Naturbursch, aber im eigenen Haus steht er doch deutlich unter dem Kommando seiner drei Frauen. Bei so wenig Leiberl in der Innenpolitik wäre es ihm sicher recht, wenn er bei der Wahl wenigstens in der Außenpolitik, sprich in der Gemeindepolitik punkten könnte.

Die Ausseer Blauen und Grünen erinnern mich an Orangen: Orangen und Spalten gehören ja irgendwie zusammen. Orangen und Spalten, das ist andererseits ein Widerspruch in sich. Irgendwie narrisch, oder? Aber vielleicht auch wieder irgendwie typisch für Aussee: Bin anders, bin blau, bin grün, bin orange, bin zusammen, bin gespalten, bin weg und bin wieder da. Wer sich damit auseinander- und zusammensetzt, setzt sich so oder so irgendwie in die Nesseln, in die Brennnesseln. Dass das die Politik belebt, das ist genauso unbestreitbar wie streitbar.

Bleibt noch die Sache mit einem angekündigten Überraschungs-Kandidaten: Ich frag mich echt, ob da nicht der Pürcher Gerhard vulgo Dudler auftauchen wird. Sein Aufstieg, sein ungeheurer Karrieresprung ist wohl niemanden in Aussee verborgen geblieben: Eben war er noch ein bescheidener, einfacher Metzger. Über Nacht hat er plötzlich 1000e Leute unter sich, der Dudler Gerhard, unser neuer Totengräber! Natürlich hat der neue Job auch seine Tücken: Welche Partei traut sich denn wirklich einen Totengräber in ihre Reihen aufzunehmen? Ich glaub nicht, dass sich rot oder schwarz das trauen! Seine Aktion, ein falsches Grab zu öffnen, hätte ihn sicherlich für die Liste „Narren“ prädestiniert. Aber die gibt’s ja nicht mehr. Bei den Grünen ist er wohl definitiv unten durch, seit er in eine Gießkanne Benzin gefüllt hat. Und genau mit dieser Gießkanne, sprich mit Benzin hat dann der Voith Siegi im Friedhof Blumen gegossen. Das ist Brutalität! Das ist härter als Kapfenberg gegen Simmering! Das wiederum verträgt sich schlecht mit Grün, mit Alibada und Co. Bleiben nur noch die Blauen… Aber der Gerhard und blau, - das kann sich wohl niemand ernsthaft wünschen, oder?

 

TO 07: Allfälliges

In aller gebotenen Kürze muss hier erwähnt werden, dass unsere Pfarrsekretärin ihrem durch die Ehe erworbenen Namen immer gerechter wird: Es hat sich im ganzen Ausseerland längst herum gesprochen, dass die Gamsjäger ganz schön scharf schießen kann. Nomen est omen – wussten schon die alten Römer. Gabi Gamsjäger tut das Ihre dazu: Wenn z. B. der Pfarrer im Auftrag Ihrer Majestät in der Post aufkreuzt, dann wissen Zwitscho und Co sofort, in wessen Auftrag der Pfarrer da ist und wer dann früher oder später mit dem Geld vorbeikommen wird. Aber dass Gabi Gamsjäger in der Gottesdienstordnung zu Weihnachten die Jahresschluss-Messe als Jahresschuss-Messe ankündigt hat, das war schon ein ordentlicher Bock, den sie da in der Pfarrkanzlei geschossen hat. Im Vergleich dazu war der Bock, den seinerzeit weiland Prof. Steinwender im Friedhof Grundlsee geschossen hat, wirklich harmlos.

Apropos „schießen“: Da gehört einmal mehr der Prisching Hans, der Mann unserer Pfarrhaushälterin genannt. Im Jahr 2008 hat er mit dem Auto seine Roswitha von der Kur in Kärnten abgeholt und bekanntlich bei zwei Radarstrafen über 600,-- Euro hinlegen müssen. 2009 hat er sein Auto sogar als Waffe eingesetzt und damit einen Auerhahn abgeschossen, oben, beim Loser Heli! Wie schon die Aktion scharf bei Gamsjäger oder Steinwender wirft das kein gutes Bild auf das edle Weidwerk. Mildernd wirkt freilich das Geständnis mit der Nummerntafel auf den hiesigen PKWs: Wir wissen es schon: BA, d. h. „Bin anders“. Das hat inzwischen auch die Landesjägerschaft so zur Kenntnis genommen.

Beim Pfarrball im Bad Aussee war die Engel-Bar wieder ganz wunderbar. Herrlich weiße Engelsflügel haben die Engel-Bar geziert…

Da hat sich für manche aber die Frage gestellt: Wie ist das denn mit den gefallenen Engeln? Ein Engel kann ja auch einmal Mist bauen, oder? Macht nichts, meint der Engel Stefan, dann hat er eben Kotflügel…

Erwähnt sei im Protokoll noch die nette Aktion vom Weber Herbert, diesem Fuchs. Der großartige Erfolg seiner Spontansammlung für einen neuen Hut samt Gamsbart für den Walter aus der Au, prädestiniert den Herbert zum Reserve-Mesner und Absammler in spe in Grundlsee. Not lähmt den Herbert nicht, Not macht ihn erfinderisch! Weiter so, es ist in der Pfarre ohnedies oft Not am Manne!

 

TO 08: Termin für die nächste Sitzung

Der Termin steht natürlich schon fest. 2011 ist Ostern extrem spät. Entsprechend spät ist auch unsere nächste Sitzung, nämlich am Faschingssonntag, 6. März 2011.

 

Damit schließt der Protokollant diese Sitzung mit dem Wunsch, dass alle gesund und heil durch die heiligen drei Tage kommen mögen. So sei es. Amen.