11. Sonntag im Jk C 2010-06-13: Trachtenbiennale im Ausseerland:

Drei Themen drängen sich heute förmlich auf: a) der Sonntag selber, der Kirchgang am Sonntag; b) der Sonntag der Partnerschaft zwischen der Diözese Graz-Seckau und Masan in Südkorea; c) der Herz-Jesu-Sonntag in Grundlsee, der Abschluss des Jahres der Priester in unserer Kirche, den ich mit 15.000 Priestern in Rom miterlebt habe:

Ad a) Als erstes also ein Impuls zum Sonntag, zum Urfeiertag der Christen, zum Tag der Auferstehung Jesu Christi: Weil die Auferstehung so wichtig ist und weil sich die Auferstehung Christi so gegen alle Erwartungen der Jünger ereignet hat, darum haben es die frühen Christen gewagt, das dritte der 10 Gebote zu verändern: Aus dem Sabbatgebot wurde das Sonntagsgebot, aus der großartigen Sabbatkultur wurde die Sonntagskultur! Fast alles, was den Sonntag wirklich zum Sonntag macht, hat seine Wurzeln im biblischen Gebot: „Gedenke des Sabbats und halte ihn heilig!“

Das ist der Tag, an dem wir miteinander vor Gott fröhlich sind!“ sagen die gläubigen Juden über den Sabbat. Genau das gilt eins zu eins von unserem christlichen Sonntag: Das ist der Tag, an dem wir miteinander vor Gott fröhlich sind. Alle drei Dinge sind wichtig: Das Miteinander, das Vor-Gott- und das Fröhlichsein. Alle drei gehören dick rot unterstrichen: Das Miteinander, Gott und die Freude.

Wenn wir heute aber nur ein wenig genauer hinschauen, dann merken wir freilich, dass die Heiligung des Sonntags mit der Sonntagsmesse im Zentrum kaum mehr eine Rolle spielt! Der Kirchgang am Sonntag hat keine prägende Bedeutung mehr in unserem Land. Einer meiner Lieblingsdichter, G. Bernanos, hat das auf den Punkt gebracht, wenn er sagt: Der Glaube hört nicht auf, aber er hört auf dem Leben die Form zu geben. D. h. der Glaube wird formlos und beliebig, es ist gleichgültig, ob du glaubst oder nicht und was du glaubst oder eben nicht. Für knapp 90% der Katholiken in Österreich hat der sonntägliche Kirchgang keine prägende Kraft mehr, in Bad Aussee gilt das sogar für 95 %, in Altaussee und Grundlsee für 98 %. Der Glaube hört nicht auf, aber er wird immer kraft- und saftloser, er wird zur Privatsache, manche erklären ihn sogar zu einer Intimsache. Wir sind weit weg von diesem biblischen Dreiklang – vom Miteinander, von Gott und von der Fröhlichkeit. Kein Wunder, wenn es in unserem Land auch für Vereine immer schwerer wird, noch irgendetwas Gemeinsames zu organisieren. Gott sei Dank gibt es auch so etwas wie Koalitionen der Nachdenklichen! Gott sei Dank gibt es über verschiedene Weltanschauungen hinweg Initiativen zur Rettung des Sonntags als zumindest möglichst arbeitsfreien Tag. Der Rhythmus von 6 Arbeitstagen und einem Ruhetag ist nicht nur heilig, er heilt den Menschen auch und mit ihm die ganze Schöpfung. Wir sind nicht nur homo faber, wir sind auch homo ludens! Biblisch gesehen ist ja der Sabbat und nicht der Mensch die Krone der Schöpfung. Das Ziel ist seine Heiligung. Uns aber und der ganzen Schöpfung bringt der Sabbat bzw. der Sonntag Heilung, ein tiefes Durchatmen, neues Leben, Erfahrung von Auferstehung!

Als zweites möchte ich etwas zu unserer Partnerschaftsdiözese Masan in Erinnerung rufen - es ist dieser ganz ungewöhnliche Beginn des Christen-tums in Korea. Intellektuelle stehen am Anfang der Kirche in Korea, Gelehrte, die nach der besten aller Religionen fragen. Sie studieren in einem Gelehrtenzirkel die verschiedenen Religionen und entscheiden sich dann ganz bewusst fürs Christentum. Am Beginn der Kirche von Korea stehen im Jahr 1784 gelehrte Laien! Wie 10 Jahre später dann der erste Priester ins Land kommt, gibt es bereits 4.000 Getaufte. In Korea wie in vielen anderen asiatischen Ländern boomt das Christentum und die katholische Kirche. Unsere Partnerdiözese Masan ist erst 44 Jahre jung. 26 Jahre lang war der steirische Priester Msgr. Josef Platzer dort im Einsatz. Zusammen mit der KFB hat er die Partnerschaft zwischen unseren beiden Diözesen aufgebaut. Ein Zeichen der Partnerschaft ist seit Jahrzehnten, dass ein paar Seminaristen aus Südkorea bei uns studieren und hier zum Priester geweiht werden. Unser Kaplan Markus Choi ist der zweite Neupriester, der nach seiner Weihe noch bis nächstes Jahr quasi als Gegengeschenk in unserer Diözese bleibt. Heuer werden Ende Juni wieder zwei Koreaner im Grazer Dom zum Priester geweiht werden. Einer von ihnen wird dann (so wie Markus) ein paar Jahre lang als Kaplan in der Steiermark bleiben. Ein weiteres Zeichen unserer Partnerschaft ist der heutige Tag von Masan“, der zweite Sonntag im Juni. Hinter dem Wort „Partner“ steht das lateinische Wort „pars“, d. h. Teil. Keine Diözese ist die ganze Kirche. Wir sind alle Ortskirchen, wir sind Teilkirchen. Zusammen aber sind wir mehr! Zusammen bilden wir die eine katholische Weltkirche.

3. Das ist das Stichwort für den heutigen Herz-Jesu-Sonntag, der in Grundlsee wieder festlich mit dem traditionellen Umgang gefeiert wird: Am Großen Herz-Jesu-Freitag im Vorjahr hat in unserer Kirche zum 150. Todestag des hl. Pfarrers von Ars das Jahr der Priester begonnen, vorgestern (am Großen Herz-Jesu-Freitag) ist es am Petersplatz in Rom abgeschlossen worden. Noch nie in der Geschichte unserer Kirche waren so viele Priester bei einem Gottesdienst dabei: 15.000! Ca. 100 waren aus Österreich, ich war einer davon. Der hl. Pfarrer von Ars ist der Patron der Priester. Ihn hat u. a. eine besondere Herz-Jesu-Frömmigkeit ausgezeichnet. Das Herz Jesu ist Symbol für die Liebe Jesu. Es ist offen für alle, so wie er am Kreuz seine Arme auch für alle ausgebreitet hat. Die Architektur des Petersplatzes in Rom spiegelt diese Frömmigkeit wieder: ein Platz, der einerseits einlädt zusammen zu kommen, sich zu treffen und zu versammeln; ein Platz, der sich andererseits öffnet auf die Stadt hin und den ganzen Erdkreis: urbi et orbi, der Stadt und dem Erdkreis gilt der Segen des Papstes. Der Stadt Rom und dem ganzen Erdkreis hat auch die Bitte der 15.000 Priester beim Gottesdienst am Freitag gegolten: Herz Jesu, bilde unser Herz nach deinem Herzen, denn das Herz der Seelsorge ist ja die Herzlichkeit der Seelsorger! Amen.