Predigt zum Christkönig-Sonntag
2010
Der Mensch ist das Wesen, das lachen
und weinen kann. Lachen und weinen
– beides gehört zum Menschsein, beides gehört zum Christsein. Vom Lachen und
Weinen sprechen die Bibelstellen des heutigen Christkönigsfestes. Beides soll
daher auch in der Predigt zum Zug kommen.
Ganz festlich und feierlich geht es
in der Lesung aus 2 Sam 5 zu – ein erhebender Moment für das Volk Israel,
eine große Stunde für das 12-Stämme-Volk, für die Ältesten des Volkes und
natürlich für David: mit ihm wird ein Vertrag geschlossen, David wird zum neuen
König gesalbt. Und das ist ganz sicher ordentlich begossen worden…
Wo dem Volk zum Festen und Feiern
ist, da ist es für Gott – bildlich gesprochen – zum Heulen: Er hat als der eine
und einzige König Israels definitiv abgedankt. Sein Volk, Gottes erste Liebe,
möchte - wie die Nachbarn alle - einen eigenen König haben, einen König zum
Anfassen, einen König aus Fleisch und Blut. Gott allein genügt nicht mehr.
Es ist zum Weinen, denn die Liebe wird
nicht mehr geliebt. In seiner unfassbaren Liebe zeigt sich der allmächtige
Gott zugleich als ein ohnmächtig-leidender Gott.
Dann das Evangelium – die
Passion mit der Kreuzigung Jesu nach dem Lukas-Evangelium:
Lachen, Hohn und Spott sind die
Begleitmusik beim Sterben Jesu. Die führenden Männer des Volkes verlachen
ihn, römische Soldaten verspotten ihn, die Inschrift ist als Spott über Jesus
und über das jüdische Volk zu verstehen und zuletzt verhöhnt ihn noch einer der
Verbrecher. Wir wissen es alle: Wer den
Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen! Gleich dreimal ertönt in
diesem kurzen Evangelium der Spottruf:
Nun hilf dir selbst, wenn du kannst!
Das ist so ähnlich wie das
Einschlagen der Nägel. Wir wissen ja, dass Worte oft noch mehr verletzen können
als körperliche Gewalt, dass Worte manchmal große seelische Grausamkeiten sein
können. Die Wunden am Körper heilen oft leichter als Wunden an der Seele, die
durch Hohn und Spott, aus Rache oder purer Schadenfreude zugefügt worden sind.
Lachen, Spott und Hohn sind also die Begleitmusik bei der Kreuzigung Jesu – und
bekanntlich musste alles sehr rasch gehen, denn das Fest der Feste stand vor der
Tür, das biblische Passah-Fest. Der Todesschrei Jesu und der Todesschrei der
Lämmer läuten das Fest ein, Lachen und Weinen liegen wieder einmal ganz eng
beisammen.
Wer zuletzt
lacht, lacht am besten – behauptet die Bibel im
Blick auf das Ende. Auch dieser Gedanke findet sich im heutigen Evangelium.
Jesus ist am Kreuz nicht nur der Passive, der alles geduldig erleidet. Er ist
auch der Aktive. Er, dessen Königreich nicht von dieser Welt ist, verspricht
sterbend dem reumütigen Schächer das Paradies
– heute noch! Er verspricht das
Paradies nicht irgend jemandem sondern einem Mörder, ausgerechnet einem Mörder:
Mit Mord und Totschlag hat biblisch die Geschichte der
Menschheit nach der Vertreibung aus
dem Paradies begonnen. Jetzt aber darf der Mörder ins Paradies zurück. Reue und
Umkehr haben es möglich gemacht. Reue, Umkehr und auf Christus schauen – das
bringt den verlorenen Menschen zurück ins Paradies. Das ist jederzeit möglich,
auch noch in der Stunde des Todes. So gilt weiterhin: Wer zuletzt lacht, lacht
am besten.
Wenn einer eine
Reise tut, dann kann er was erzählen! Nachdem ich
gestern von einer Urlaubswoche in der Türkei heimgekommen bin, kann und möchte
ich etwas erzählen: Keine Angst, ich mache jetzt keine Replik auf die jüngsten
sehr undiplomatischen Äußerungen eines türkischen Diplomaten in Österreich. Ich
hab mich nicht in die Türkei begeben, um etwa nachzuforschen, wie viel besser es
dort vielleicht ist – der Genozid an den Armeniern, sein Verleugnen und die
Benachteiligungen dieser und anderer Minderheiten, die Sache mit den
Menschenrechten usw. usf. Nein, ich bin
auf Urlaub gewesen an der türkischen Mittelmeerküste und hab die
gastfreundlichen Leute, das Meer und die Sonne eine Woche lang genossen. Und
natürlich auch die Bücher, die ich gelesen habe. Aus einem dieser Bücher möchte
ich nun ein paar Anekdoten vorlesen. Die Zitate stammen von der legendären
Gestalt des Nasreddin Hodscha. Er hat als Original wohl im 13. Jh. in der
Zentraltürkei gelebt. Wir alle schätzen Originale und beklagen ihr Aussterben.
Wir wissen aber auch, wie schwer es ist mit Originalen zusammen zu leben und
auskommen zu müssen…
Einmal kam ein bekannter Schwätzer zum
Hodscha und rief: Hodscha, Hodscha. Ich hab gesehen, wie jemand mit einem
Tablett Baklava vorbeigegangen ist! – Mir doch egal, sagte der Hodscha. Der Mann
machte aber mit seinem aufdringlichen Geschwätz weiter und sagte: Aber ich
glaub, das Tablett ist in euer Haus gegangen! Dir doch egal, antwortete der
Hodscha und brachte ihn zum Schweigen.
Einmal kamen zwei Nachbarn zum Hodscha
und baten ihn, in einem Streitfall um Hilfe. Der Hodscha hörte ihnen zu und
sagte dann: Ihr habt beide recht. Und er schickte sie nach Hause. Das verstand
seine Frau nicht und meinte, dass doch nicht zwei Leute gleichzeitig recht haben
könnten. Worauf ihr der Hodscha antwortete: Frau, du hast auch Recht!
Ein anderer Nachbar fragte den Hodscha,
wie alt er sei. Er antwortete: 40. Nach ein paar Jahren fragte ihn derselbe
Nachbar wieder, wie alt er sei. Der Hodscha antwortete: 40. Da entgegnete der
Nachbar: Aber das geht doch nicht. Vor ein paar Jahren warst du 40 – und jetzt
bist du es wieder? Der Hodscha blieb sehr ernst und gab ihm zur Antwort: Ein
wahrer Mann nimmt sein Wort niemals zurück!
Einmal fragten die Leute den Hodscha: Auf
welcher Seite des Sarges muss man beim Begräbnis gehen – vor dem Sarg, hinter
dem Sarg, rechts oder links vom Sarg? Antwort von Nasreddin Hodscha: Die Seite
spielt keine Rolle. Die Hauptsache ist doch, dass du nicht drinnen liegst!
Auch auf seinem Sterbebett beliebte der
Hodscha noch zu scherzen. Seine Frau aber war ganz betrübt, dass es für ihn
keine Hoffnung mehr gab. Der Hodscha wollte keine Tränen sehen und sagte zu ihr:
Geh und wasch dein Gesicht. Schmink dich. Mach dich hübsch. Zieh schöne Kleider
an und lauf fröhlich durch die Gegend.
Seine Frau war darüber sehr verwirrt und
sagte: Wie kannst du das nur sagen? Wie kann ich mich hübsch machen, wenn du
sterbenskrank bist?
Da sagte der Hodscha mit einem kleinen
Lächeln auf dem Gesicht: Na ja, ich verlange das ja auch für mich. Es ist doch
klar, dass der Todesengel bald erscheinen wird. Wenn er dann aber dich sieht und
wie hübsch du bist, dann wird er vielleicht lieber dich mitnehmen und mich noch
einmal schonen…
Ich wünsche uns allen etwas von
dieser ernst-heiteren Gelassenheit, heute, morgen und auch dann, wenn uns einmal
die Stunde schlägt. Amen.