Lieber
Leopold!
Wenn Du diesen Brief
einmal zur Hand nimmst und durchliest, dann soll er Dich an Deine Taufe am
18. Juli 2010 in der Stadtpfarrkirche
„Pauli Bekehr“ in Bad Aussee erinnern. Er lädt Dich ein, über die Schönheit und
die Würde aber auch über die Verantwortung eines getauften Christen
nachzudenken. Was also ist da mit Dir an Deinem Tauftag geschehen? Was hast Du
da über Dich ergehen lassen, weil
Deine Eltern Heike und Willi den Wunsch gehabt haben, dass Du getauft wirst?
Ich lade Dich ein, auf drei
Dinge und auf ein Zeichen besonders hinzuschauen:
auf das hl. Öl, das weiße
Kleid, die Taufkerze und das Kreuzzeichen.
Das Chrisamöl:
Gott selbst hat Dich mit dem hl. Öl gesalbt. Ich als Priester habe ihm nur meine
Hand geliehen. Die Salbung ist ein altes Zeichen für Heil und Heilung. Das ist
Dir, lieber Leopold, ganz gratis und
völlig bedingungslos geschenkt worden! Welche Bedingungen und Vorleistungen
hättest Du schon erfüllen können mit Deinen paar Monaten an Lebensalter? Gott
liebt Dich bedingungslos. Er nimmt Dich so an, wie Du bist. Die Salbung sagt Dir
auch, dass der Glaube etwas Herrliches und Schönes ist, ein Beschenkt-Werden mit
der Kraft des Hl. Geistes für das ganze Leben. Seit Deiner Taufe gehörst Du zu
den "gekrönten Häuptern". Du bist ein gesalbter Priester, König und Prophet. Und
Du weißt aber auch, dass Adel verpflichtet! Lass also Dein Christsein nie zum
Schein werden, zum Tauf-Schein-Christen verkommen. Christus soll für Dich Weg,
Wahrheit und Leben sein bzw. immer mehr werden.
Das Taufkleid:
Dir ist ein weißes Kleid angezogen worden. Es
erinnert an den Neuanfang, an den Beginn Deiner Freundschaft mit Jesus dem
Christus. Es ist auch ein besonderes Zeichen der Reinheit, des neuen Lebens in
Christus. Die Taufe ist ja wie eine zweite Geburt: So wie Dich Deine Mutter
Heike geboren hat, so bist Du in der Taufe wiedergeboren worden. So wie Dir
Deine Mutter das irdische Leben geschenkt hat, so bist Du in der Taufe mit dem
ewigen Leben beschenkt worden. Und die Kirche ist für Dich eine Art zweite
Mutter geworden. Du gehörst nun zur großen Familie der Kinder Gottes, zur
Gemeinschaft der Schwestern und Brüder in Christus. Und so wie Dich auch sonst
ein Kleid wärmt, schützt und birgt, so umgibt Dich der Schutz und der Segen Jesu
Christi Dein Leben lang. Das sagt Dir das Zeichen des Taufkleides.
Die Taufkerze:
Dann hat dein Pate Charly Deine Taufkerze
entzündet. Schau hin auf diese Kerze: Sie ist ein Zeichen der Liebe und der
Hingabe. Nur indem sie sich verbrennt, indem sie kleiner wird und zum Sterben
bereit ist, nur so kann eine Kerze Licht, Wärme, Geborgenheit und Orientierung
geben.
Sie erinnert Dich an Jesus Christus, an das Licht der Welt. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er uns eine Hoffnung gegen, die stärker ist als jeder Tod. Alle Finsternis dieser Welt kann dieses Licht nicht auslöschen. Deinen Eltern wird dieses Licht anvertraut. Sie sollen Dir damit vorangehen und Dich an der Hand nehmen. So brauchst Du, lieber Leopold, nie allein und im Finstern gehen. Wer glaubt ist nie allein (unterwegs)! You’ll never walk alone!
Das Kreuzzeichen:
Denk' schließlich auch an das Kreuzzeichen, mit
dem Du gesegnet worden bist und mit dem wir alle unsere Gebete und Gottesdienste
eröffnen. Wenn Du Dich aufrecht hinstellst, wenn Du Deine Arme ausbreitest, dann
siehst Du, dass uns Menschen das Zeichen des Kreuzes auf den Leib geschneidert
ist. Wir alle sind ein lebendiges Kreuzzeichen!
Mit dem Zeichen des
Kreuzes bist Du also getauft worden. Zuerst einmal
im Namen des Vaters: Gott, der
Vater, hat bei der Taufe seine Hand auf Dich gelegt und zu Dir gesagt:
Leopold! Ich rufe Dich bei Deinem
Namen. Du bist mein! Ich habe Dich in meine Hand geschrieben! Du bist mein
geliebter Sohn. Du gefällst mir!
In Freud und in Leid kannst
Du zu ihm kommen. Du hast einen Vater im Himmel, der dich nie vergisst, der
immer für Dich da ist. Gott, der Vater ist ja "Jahwe", d.h. der, der immer für
uns da ist - gestern, heute und in Zukunft.
Dann bist Du auch
auf den Namen des Sohnes getauft
worden: auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Darum hast Du die alles
entscheidende Lebens-Wende schon hinter Dir! Weil Du zu Christus gehörst, darum
bist Du schon erlöst, darum gehörst Du schon zur neuen Schöpfung Gottes. In
Christus bist Du geborgen, so wie ein Kind im Leib seiner Mutter geborgen ist.
Er ist immer bei Dir, wie ein Freund, wie ein Weggefährte, wie ein Bruder.
Und nicht zuletzt bist
Du auf den Namen des Hl. Geistes
getauft worden: Mit ihm tun sich viele Christen schwer, weil sie sich ihn nicht
so recht vorstellen können, weil er ja "Geist" ist und nur an seinem Wirken
erkannt werden kann. Und doch ist er so etwas wie das Herz und die Seele der
Kirche. Vielleicht ist er gerade deswegen oft "der unbekannte Gott der
Christen", weil er so dezent wirkt, so unaufdringlich, im Inneren, im
Verborgenen, ganz wie das Herz, ganz wie die Seele, die wir nicht sehen können.
Im Joh-Evangelium wird der Hl. Geist "Beistand" und "Tröster" genannt. Es ist
gut, dass Du auch auf seinen Namen getauft bist: So hast Du einen göttlichen
Beistand und Tröster von Kindesbeinen an. Im Namen dieses dreieinigen Gottes
bist Du, lieber Leopold, am 18. Juli 2010
in der Stadtpfarrkirche „Pauli Bekehr“ in Bad Aussee getauft worden. Gottes
Liebe und sein Segen sollen Dich Dein Leben lang begleiten. Das wünscht Dir sehr
herzlich Dein Täufer
Edmund Muhrer, Pfarrer
Bad Aussee, am 17. 7. 2010