Benefiz-Messe für die Kirchplatz-Neugestaltung in Bad Aussee(„Steirische Mess“ von Wölger/Muthspiel) am 3. 1. 2010 (Mitwirkende: Sofie Wimmer (Harfe, Frauchenchor und MGV/Liedertafel unter der Ltg. von SR Hans Jandl)
Allem Anfang wohnt ein Zauber inne. Jeder Beginn hat seinen besonderen Reiz. Das gilt auch für das neue Kalenderjahr 2010. Wir sollen und dürfen wieder einmal anfangen.
Anfangen, das gehört auch zum Christsein: eigentlich, wenn wir ehrlich sind, bleiben wir als Gläubige ein ganzes Leben lang Anfänger. Deshalb hab ich mir gedacht, ich möchte in der heutigen Predigt so etwas wie ein 1x1 des Christseins in Aussee für das Jahr 2010 anbieten. Ich nenne es aber nicht ein 1x1. Ich spreche lieber von einem ausseerischen ABC für das noch ganz frische neue Jahr. Ein 1x1 wäre für die Gliederung der Predigt wenig hilfreich, ein ABC dagegen ist da sehr hilfreich. Ich kann also wieder einmal die Predigt leicht in drei Punkte gliedern, die mit den Buchstaben A, B und C beginnen. Unter dem Buchstaben A möchte ich heute von Aussee reden und damit von der Alpenstadt 2010. Zweitens spreche ich unter B von Büchern im Allgemeinen und im Besonderen vom Buch der Bücher, der Bibel. Drittens unter C spreche ich von Christus, von der confessio, d. h. vom christlichen Bekenntnis.
A wie Aussee und heuer auch A wie Alpenstadt 2010: Aussee ist nicht nur „a lustigs Tol“. Aussee ist eine besondere Region, das ganze Ausseerland und das gesamte Salzkammergut. „Wer den genius loci leugnet, dem erscheint er auch nicht“ meint Alfred Komarek selbstbewusst, kurz und prägnant in seinem Ausseerlandbuch „Die Bühne hinter der Kulisse“.
Bad Aussee ist schon lange Kurort. Es ist eine ganz besondere Gesundheitsregion in Österreich. Das Lkh, die Univ.klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, das Seniorenzentrum, die vielen niedergelassenen Kurärzte usw., sie alle sind ein Beweis dafür, dass das Thema „Gesundheit“ hier ganz groß geschrieben wird. Und die Bevölkerung hat 2009 mit ihrem Kampf um das Lkh eindrucksvoll bewiesen, wie wichtig ihr dieses Thema ist. Das herrliche Land, diese wunderbare Gegend, das „Buch der Schöpfung“ tut zur Gesundheit wohl auch das Seine dazu, Gott sei Dank.
Bad Aussee hat schon seit längerem ein Schulzentrum, seit ein paar Jahren ist es sogar Univ.stadt. Neben Gesundheit ist für das Allgemeinwohl des Menschen die Bildung von größter Bedeutung. Auch da stehen für dieses Jahr in Aussee gewichtige Überlegungen und Weichenstellungen an.
Und jetzt ist Bad Aussee also auch noch Alpenstadt 2010, ein Auftrag für die gesamte Region: Prof. Hans Haid hat im aktuellen Pfarrblatt eindrucksvoll beschrieben, welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind. Meine lieben Nachbarn im Mesnerhaus, im ersten Schulgebäude von Bad Aussee, Ing. Toni Frick und Renée Frick-Pilecky werden am 27. Jänner im Pfarrheim einen Bildungswerk-Abend zu diesem Thema bestreiten. Kultur, echte Volkskultur und die Bewahrung des Lebensraumes sollen noch deutlicher thematisiert werden, sollen noch deutlicher miteinander verknüpft werden.
Auch die Regionale 10 betrifft die Alpenstadt und die gesamte Region: „In der Mitte am Rand“ – irgendwie klingt der Titel der Regionale doch besonders ausseerisch, oder? In der Mitte am Rand - einerseits Mittelpunkt, andererseits irgendwie am Rand – das passt doch sehr gut zu Aussee, oder?
In der Mitte am Rand - für mich klingt dieser Titel auch sehr weihnachtlich:
Zur Weihnacht ist der Rand in die Mitte gerückt, die Peripherie ist zum Zentrum geworden – das kleine Kaff Bethlehem mit der Krippe und dem Kind steht auf einmal im Zentrum, und nicht der Tempel von Jerusalem mit dem Hohepriester, und schon gar nicht die Hauptstadt Rom mit dem Kaiser! Weihnachten deutet schon an, dass es bei Gott andere Maßstäbe gibt, dass es eine Umwertung gängiger Werte gibt: Von Jesus wird das Kleine und an den Rand Gedrängte in die Mitte gestellt. Wir brauchen nur daran zu denken, wie er demonstrativ ein Kind in die Mitte stellt, um den streitenden Jüngern zu zeigen, wer im Himmelreich der Größte ist…In der Mitte am Rand, das klingt ebenso weihnachtlich wie ausseerisch! – A wie Aussee, A wie Alpenstadt 2010.
B wie Bücher ganz allgemein, B wie die Bibel, das Buch der Bücher im Speziellen: Bibel aus dem Griechischen übersetzt heißt einfach „Buch“.
Von Wilhelm Busch stammt die Bemerkung: „Was für den Leib das Küchel, das ist für die Seel’ das Büchel!“ D. h. offensichtlich: So wie das Essen zum Leben dazu gehört, so gehört auch das Lesen zum Leben. Lesen ist ein Lebenselexier und eine großartige Möglichkeit dem Diktat der Reize zu entfliehen. Lesen ist eine Chance, der Sintflut an Bildern und Reizen zu entkommen. Lesen ist eben tatsächlich „Abenteuer im Kopf“.
Ein ganz besonderes Abenteuer aber ist es, sich auf das Buch der Bücher, auf die Bibel einzulassen! Für Christen sollte das eine Selbstverständlichkeit sein. Klassisch hat es der hl. Hieronymus auf den Punkt gebracht: „Die Bibel nicht kennen, das heißt Christus nicht kennen!“ Daher sind nach der Liturgiereform des 2. Vatik. Konzils auch die Gottesdienste mit einer neuen Leseordnung versehen worden. Wer seither regelmäßig zu den Gottesdiensten geht, kann sich darauf verlassen, dass er einen Großteil der Bibel im Rahmen der Gottesdienste zu hören bekommt. Die Bibel ist ja so etwas „der Originalton des Wortes Gottes“. Wie auch sonst im Leben ist es daher nur zu raten, sich am Original zu orientieren. Alles Andere an geistlicher und sonstiger Lektüre ist im wahrsten Sinn des Wortes „sekundär“ oder bloß „Kopie“! Auch hier gilt: „Schau auf die Marke! Nur wo Bibel draufsteht, ist auch Bibel drin, das Wort Gottes!“ Daher für 2010: B wie Bücher, ja, klar, v. a. aber: B wie Bibel, das Buch der Bücher!
C wie Christus, C wie Confessio, d. h. Bekenntnis: „Auf Christus schauen“ – das ist das Motto für die ganze Seelsorge in unserer Diözese im Jahr 2010. Bischof Kapellari dazu wörtlich: „Der größte Mensch ist der liebendste Mensch. Wenn man sich im Horizont der uns bekannten Weltgeschichte umsieht, dann wird man keinen Menschen finden, der so eindringlich gelehrt hat, man solle und könne auch seine Feinde lieben, und der diese Botschaft radikaler gelebt hat, als Jesus, der Mann aus Nazareth… ‚Christus ist das Ende’, hat der sanfte Dichter Hölderlin gesagt. Er ist der Größte, sagen die Christen: größer als Buddha, als Mohammed oder Konfuzius. Das ist eine Provokation für viele Menschen außerhalb der Kirche.“ (Soweit unser Diözesanbischof in seiner Osterpredigt 2008)
Christen werden Christen, wenn sie auf ihren Christus schauen, wenn sie auf Christus hören. Ich meine nach fünf Jahren Pfarrersein, dass es da einen ganz besonderen Aufholbedarf hier in Aussee gibt. Es ist in Aussee zwar eine allgemeine Religionsfreundlichkeit vorhanden, aber wenn man etwas näher hinschaut, dann ist da furchtbar wenig spezifisch Christliches zu entdecken. Meist ist es eine vage Naturfrömmigkeit, oft ein nebuloser Glaube, dass es schon etwas Höheres geben muss oder ein sehr subjektives Glauben „I und mei Herrgott!“ Wo ist da, bitte, nur irgendetwas spezifisch Christliches zu finden? Wo spielt da die Menschwerdung eine Rolle, der Karfreitag, die Auferstehung und Pfingsten? Es besteht ein echtes Defizit an christlichem Glaubensgut und an christlichem Glaubenswissen bei vielen Getauften. „Auf Christus schauen“ – dieses Motto ist also nicht von ungefähr gefunden und gewählt worden.
So kann ich das berühmte Fragment 548 des Philosophen Blaise Pascal nur zur eingehenden Meditation empfehlen. Ich hoffe, dass doch wieder mehr Leuten aufgeht, dass es schon seinen Sinn hat, wenn die ganze Weltzeit nach Jesus Christus benannt ist, wenn unsere Zeit eingeteilt wird in eine Zeit vor und in eine Zeit nach Christi Geburt. Blaise Pascal wörtlich: „Nicht nur Gott kennen wir allein durch Jesus Christus, auch uns selbst kennen wir nur durch Jesus Christus. Ohne ihn wissen wir weder, was unser Leben (ist), noch was unser Tod (ist), noch was Gott ist, noch was wir Menschen sind.“
Darum also das C, C wie Christus, bzw. C wie Confessio, d. h. Bekenntnis zu Jesus dem Christus. Sich zu ihm bekennen, d. h. sich zum Menschen bekennen, d.h. auch sich zu Gott bekennen. Oder mit der Osterliturgie gesprochen: „Christus gestern und heute, Alpha und Omega, Anfang und Ende. Sein ist die Zeit und die Macht und die Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.