4. Sonntag im Jahreskreis C 2010-01-31 mit Kerzenweihe in GS und AA:

Der heutige Gottesdienst konfrontiert uns gleich mit drei Zauber-Wörtern, mit Licht, mit Liebe und nicht zuletzt mit dem Wort „Heute“:

1.

Einmal mehr prägt das Thema „Licht“ diesen Gottesdienst: Schon zu Beginn haben wir die Kerzen gesegnet, wie es Brauch ist rund um „Maria Lichtmess“, dem Fest der „Darstellung des Herrn“ im Tempel von Jerusalem: So wie sich Christus nach der Geburt schon den Hirten und den Sterndeutern offenbart hat, so wird auch am 40. Tag nach seiner Geburt bei der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung im Tempel offenbar, wer Er ist, wer dieses Kind ist: Es ist ein Licht zur Erleuchtung der Heiden, es strahlt die Herrlichkeit Gottes wieder für sein Volk Israel! Dem Greisen Simeon und der betagten Prophetin Hannah wird diese Freude zuteil. Dieses Kind ist – wie wir im Großen Credo bekennen – Licht vom Licht! Er, der Christus, ist das Licht und das Heil der ganzen Welt!

Großartig ist eine Formulierung einmal mehr aus der Feder des Dichters Peter Handke: „Alles sich Zeigende ist ein Licht.“ Für uns Christen kann tatsächlich alles auf dieser Welt ein Licht sein, eine Botschaft, ein Wort Gottes. Wir glauben daran, dass letztlich alles vom Licht Christi umstrahlt und durchflutet ist. Daher gehören für uns Leben und Licht auch so eng zusammen. Wenn ein Kind geboren wird, dann sagen wir „es hat das Licht der Welt erblickt“. Wenn Menschen sterben, dann beten wir „das ewige Licht leuchte ihnen“. Wenn wir Weihnachten feiern, dann wissen wir mit den alten Meistern der Malerei, dass alles Licht von der Krippe ausgeht. Wenn wir Ostern feiern, dann steht einmal mehr „Christus, das Licht!“ im Zentrum, das lumen christi.

Die Hoffnung der Menschen hat der Dichter Johann Wolfgang von Goethe prägnant ausgedrückt mit seinen fast testamentarischen Ausruf „Mehr Licht!“ Wenn inzwischen im Winter über 300.000 Steirer und Steirerinnen in den Süden fliegen, dann ist auch das ein starkes Zeichen, wie sehr wir uns nach Licht, nach Sonne und Wärme sehnen.

Es wäre hier noch viel zu sagen über die Bedeutung des Lichtes gerade in diesen Tagen rund um Maria Lichtmess: dass da die römischen Frauen z. B. mit Fackeln und anderen Lichtern durch die Straßen der Stadt gezogen sind. Sie versuchten in ihrer Frömmigkeit die Muttergöttin Ceres zu unterstützen, die verzweifelt auf der Suche nach ihrer geraubten Tochter war. Oder denken wir an das Imbolc-Fest („Im-bulk“ gesprochen!) der Kelten, das ein Mondfest ist und die Wiederkehr des Lichtes zelebriert. Es ist im alten Mondkalender genau in der Mitte zwischen Winterwende und Frühlingsgleiche. Ähnliche Feste gab es in Gallien, in Skandinavien usw.

Licht ist und bleibt also ein Zauberwort und Handke hat schon Recht mit seiner Behauptung: „Alles sich Zeigende ist ein Licht.“

2.

Ein zweites Zauberwort ist Liebe: Ich möchte hier nur auf einen Aspekt dieses Zauberwortes hinweisen – auf den Weg-Charakter der Liebe. So wie Leben und Weg zusammen gehören, so gehören auch Glauben und Weg zusammen, so gehören auch Liebe und Weg zusammen. Da sind sich viele Große und Kleine einig, da sind sich Teenager, Exupéry, Paulus und v. a. einig: Lieben hat mit Weg zu tun, mit Unterwegssein und Unterwegsbleiben, mit Weggefährtenschaft durch dick und dünn!

Wenn Teenager jemand gefunden haben, wenn sie verliebt sind, dann sagen sie ebenso vorsichtig wie stolz: Ich hab jetzt jemanden, mit dem ich geh. Wir gehen jetzt miteinander. Das deckt sich bestens mit der Erkenntnis großer Leute, wie z. B. Exupéry, der gesagt hat: „Lieben heißt nicht, jemanden ständig verliebt in die Augen schauen. Lieben heißt, miteinander in dieselbe Richtung gehen.“ Und das deckt sich genau mit dem, wie der hl. Paulus in seinem großartigen Hohelied die Liebe beschreibt, - die Liebe als Weg! Ich hab diese Entdeckung eigentlich erst im letzten Jahr gemacht. Man überliest ja bei diesem wunderbaren Text in 1 Kor 13 so leicht die wichtigen einleitenden Sätze des Völker-Apostels. Genau da aber schreibt hl. Paulus Folgendes: „Ich zeige euch jetzt noch einen anderen Weg, einen (Weg), der alles übersteigt…“ Die Liebe also als Weg, als anderer Weg, als der alternative Weg der Christen, um der Welt zu zeigen: Schaut her, es geht auch anders! Lieben hat also mit Weg zu tun, mit Gehen – darüber sind sich Paulus, Exupéry und Teenager von heute einig.

3.

Das dritte Zauberwort finden wir ganz am Anfang des heutigen Evangeliums: Heute hat sich das Schriftwort…erfüllt.“ (Lk 4, 21)

Da ist es wieder, dieses Kult- und Mode-Wort, das unter den Evangelisten ganz besonders und bewusst bei Lukas zu finden ist: Heute!

Mit diesem Wort hat Jesus die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Mit diesem Wort hat er die Menschen in die Entscheidung gestellt für oder gegen ihn Position zu beziehen. Der Augenblick der Begegnung mit ihm ist die Stunde der Entscheidung, die Stunde der Wahrheit. Heute, mit diesem Wort beginnt auch das Stundengebet der Kirche, beginnt jeder neue Tag, wenn es im Introitus heißt: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht!“ Ein französischer Theologe hat schon vor Jahrhunderten vom „Sakrament des gegenwärtigen Augenblicks“ gesprochen. Und genau auf dieser Linie liegt auch die Aktualisierung der 10 Gebote durch den hl. Konzilspapst Johannes XXIII.: Er lässt seinen Dekalog der Gelassenheit ganz bewusst 10x mit einem „Nur für heute“ beginnen, weil das Heute, weil das hic et nunc, weil der gegenwärtige Augenblick so wichtig und heilig ist!

„Du weißt, mein Gott, um dich zu lieben, habe ich nur das Heute!“ – so hat es die sog. kleine hl. Therese von Lisieux großartig auf den Punkt gebracht. Nicht gestern und auch nicht morgen, heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn ER kommt! So ist und so bleibt es. Amen.