27. So im
Jk C 2010-10-03 (Vorabendmesse zum 50. Stiftungsfest der KMV Tressenstein,
Sonntagsmesse in BA und AA)
Wir haben heute in der L
aus dem 2. Timotheusbrief ganz besondere Sätze gehört, die es alle wert wären,
einzeln unterstrichen und meditiert zu werden.
Der 2. Tim gilt als das geistliche
Testament des Völkerapostels Paulus. Wir wissen, dass man in so ein
Testament nur das Allerwichtigste und Entscheidende schreibt. Predigen bedeutet
auch, sich konzentrieren auf Wesentliches. Ich hab mich in der
Predigt-Vorbereitung für drei Sätze aus der L entschieden, auf die ich nun näher
eingehen möchte:
1. Am Beginn der
Lesung aus dem 2. Tim steht eine Bitte des Apostels Paulus:
„Entfache die Gnade Gottes wieder!“
Damit erinnert Paulus
seinen Schüler Timotheus an die Weihe, an den Anfang seines priesterlichen
Dienstes. Der Anfang hat eine besondere Wirkkraft. Allem Anfang liegt ein Zauber
inne. Entfache die Gnade Gottes wieder,
d.h.: Denk an den Anfang zurück. Erinnere dich, wie alles angefangen hat!
Das ist eine wichtige geistliche Übung, die uns allen von Zeit zu Zeit gut tut.
Wenn du verheiratet bist,
dann denk immer wieder einmal an die Hochzeit zurück, an den Tag, an dem du dich
verliebt hast, an den Tag, an dem du dich für immer gebunden hast an deine
Frau/an deinen Mann.
Wenn du ein Geistlicher
bist, dann denk immer wieder an Tag der Weihe zurück.
Denk daran, dass Gott seine Hand auf dich gelegt hat und dass er dich zu einem
besonderen Dienst berufen hat.
Wenn du getauft bist:
Denk daran, dass du gesalbt worden zum Priester, König und Prophet. Denk daran, dass Gott dich mit Namen gerufen hat, dass er dich erwählt und angenommen hat als geliebtes Kind, als geliebte Tochter, als geliebten Sohn. Er hat dich zuerst geliebt und er hat dir das alles als göttliche Mitgift völlig gratis in die Wiege gelegt.
Entfache diese Gnade
Gottes wieder… Es gibt bekanntlich viele Dinge,
Ereignisse und auch Personen, die sich im Alltag in den Vordergrund drängen und
wichtig machen. Es geschieht dann so leicht, dass sich der Grauschleier des
Alltags über die Glut des Glaubens legt. Es passiert so leicht, dass das Feuer
des Glaubens zugedeckt wird, dass die Glut der ersten Liebe erstickt. Immer
wieder wird aus dem Feuer Asche…
Entfache die Gnade Gottes
wieder – das ist die Bitte des Apostels:
Ruf dir doch deine erste Liebe wieder ins
Gedächtnis! Vergegenwärtige dir die Bedeutung der Taufgnade! Bedenke, was es
heißt geweiht zu sein! Bedenke, was es heißt, das Eheversprechen, dein Wort
gegeben zu haben!
Sicher erinnern ist
wichtig. Erinnern hilft und heilt. Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung.
Daher als erstes diese Bitte des Apostels:
Entfache die Gnade Gottes wieder!
2. Das zweite Pauluswort, das ich uns heute von der L her ans Herz legen möchte, lautet
:„Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast!“
Es ist ein sehr
selbstbewusstes Wort des Völkerapostels. Er weiß,
dass der Glaube vom Hören kommt, vom
Hören auf authentische Zeugen. Die Zeugen der Auferstehung geben ja nicht
irgendetwas weiter, sondern die gesunde Lehre, die Lehre, die gut tut, die heilt
und heiligt: dass die Auferstehung und das Leben größer sind als der Tod, dass
die Liebe stärker ist als der Hass. Darum also spricht Paulus von der
gesunden Lehre, so wie er an einer
anderen Stelle vom „vernünftigen
Gottesdienst“ spricht und damit der Vernunft das Wort redet. Obwohl Paulus
ein begnadeter Visionär und Mystiker war, hält er nichts von religiöser
Schwärmerei – und schon gar nicht beim Gottesdienst:
„Gescheiter ein
vernünftiges Wort als 1000 Worte in Verzückung, die niemand versteht!“ sagt
er an einer anderen Stelle. Denken und
Glauben gehören für ihn einfach zusammen. Denken und Glauben dürfen keine
Gegensätze sein – ein Grundsatz, den der gegenwärtige Papst unlängst in England
wieder mit Nachdruck vertreten hat. Ein Glaube, der kränkt und krank macht, kann
sich nicht auf Christus berufen und nicht auf die Apostel. Sie haben die
gesunde Lehre verkündigt. Sie haben
einem vernünftigen Gottesdienst das
Wort geredet…
Ich denke hier auch an die
Mitpatronin von Europa Edith Stein.
Sie hat besonders oft von der
Nüchternheit des christlichen Glaubens gesprochen, von Sachlichkeit, von
hl. Sachlichkeit sogar.
Christen sind dann vernünftig und sachlich, wenn sie ganz bei ihrer „Sache“
sind, d. h., wenn sie ganz bei Gott sind, bei Gott und bei seinem Messias Jesus
Christus.
Ganz auf dieser Linie ist
auch der sog. Dekalog der Gelassenheit
vom sel. Papst Johannes XXIII. zu sehen. Ich denke nicht zuletzt an
ein berühmtes Interview unserer damaligen Diözesanbischofs
Johann Weber. Dieses Interview
stand 1987 unter der Überschrift „Werdet
nicht nervös, wir sind ja katholisch!“ Das sind alles Aussagen, die ganz auf
der Linie des hl. Paulus liegen, auf seinem Appell:
„Halte dich an die gesunde Lehre!“
3. Der dritte
ausgewählte Satz aus dem Testament des Völkerapostel lautet:
„Schäme dich also nicht, dich zum Herrn
zu bekennen sondern leide mit mir für das Evangelium!“
Sich für den Glauben nicht
schämen, für das Evangelium Jesu Christi leiden – das ist eine immer aktuelle
Herausforderung für die Christen aller Generationen. Sich für den christlichen
Glauben nicht zu schämen, sich nicht zu schämen, dass man katholisch ist – das
kann hin und wieder ganz schön an die Substanz gehen. Aber es bringt auch Segen,
wenn wir im Glauben „wetterfest“ sind, wenn wir uns zum Herrn bekennen – ob
gelegen oder nicht, wenn wir bereit sind mit dem Apostel für das Evangelium zu
leiden. Gelegenheiten dazu gibt’s ja genug, denn die Kirche ist – so wie wir
alle - alles andere als perfekt.
„Schäme dich also nicht,
dich zum Herrn zu bekennen sondern leide mit mir für das Evangelium… Halte dich
an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast… Entfache die Gnade Gottes
wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist.“
Was Paulus da seinem
Schüler Timotheus ins Stammbuch schreibt, das sollten auch wir uns hinter die
Ohren schreiben. Besser gesagt – wir sollten es uns zu Herzen nehmen. Amen.