Ein paar Gedanken zur Theologie der Ikonen
Während es bei uns im Westen v. a. Andachtsbilder gibt, gibt es im
christlichen Osten v. a. die Ikonen. Unsere Andachtsbilder gehen vom
Subjekt aus, vom einzelnen Gläubigen, vom Innenleben des Menschen.
Die
Ikonen dagegen gehen vom Objektiven aus, vom Sein und Wirken Gottes. Der Sinn
und die Bedeutung der Ikonen ist die Gegenwart Gottes, dass Gott und das
Göttliche gegenwärtig wird, der Himmel mit allen, die dazu gehören!
Die Ikonen der Ostkirchen gehören zur Liturgie,
sind wesentlicher Teil des orthodoxen Gottesdienstes. Das Anliegen der
orthodoxen Liturgie wiederum ist Mitfeier der himmlischen Liturgie, Teilhabe,
Anteilnahme an der göttlichen Liturgie. Ikonen unterliegen daher strengen
Regeln. Als Kult- und Mysterienbilder stehen sie in besonderer Nähe zum Glauben
der Kirche, zu den Dogmen der christlichen Glaubens.
Durch
die göttliche Liturgie soll der Mensch vom oberflächlichen Sehen wegkommen zu
einem tieferen Schauen: die Welt
soll als Bild Gottes entdeckt werden, der
Mensch als Bild Gottes in der Welt und
Jesus der Christus als das Ebenbild
des unsichtbaren Gottes.
Für
die frühen Christen war das alttestamentliche Bilderverbot als
biblisch-jüdisches Erbe prägend. Die ersten 4 Jhh. hat die Bilderverehrung kaum
eine Rolle gespielt.
Hören wir daher ruhig ein wenig auf die nicht so schlechten Argumente der
Bilder-Gegner:
Sie
verweisen darauf, dass die Materie stumm ist und ohne Odem; dass allein Christus
als Sohn Gottes den Vater kennt; dass Christus auf Erden nur in seiner
Knechtsgestalt gesehen worden ist - nicht einmal auf dem Tabor, dem Berg der
Verklärung konnten ihn die Jünger schauen „wie er ist“; die Ikone kann nur die
menschliche Natur Christi wiedergeben nicht die göttliche Natur; wer Ikonen von
Christus anfertigt, der habe nicht die Tiefen des Dogmas verstanden, dass in
Christus die göttliche und die
menschliche Natur unvermischt geeint
sind.
Vergegenwärtigen wir uns aber v. a. die Argumente der Bilder-Freunde,
die sich letztlich dann ja doch durchgesetzt haben – federführend bei den
Bilder-Freunden waren die Mönche und das einfache Volk Gottes, der sensus
fidelium. Sie argumentierten so:
Nicht
einmal im Alten Testament sind alle Darstellungen von Menschenhand verboten.
Jetzt aber, in Jesus, ist doch Gott Mensch geworden. Gerade daran erinnern die
Ikonen – an seine lebensspendende und letztlich unaussprechliche Menschwerdung.
Ikonen wird nicht Anbetung (latreia) sondern bloß Verehrung
(proskynese/(hyper-)douleia) erwiesen. Anbetung gebührt allein dem einen und
dreieinigen Gott - den Engeln und Heiligen gebührt Verehrung, der Gottesmutter
Maria aber gebührt die sog. Hochverehrung!
Die
Ehre, die dem Bild erwiesen wird, geht aufs Urbild aller Bilder über, auf den
Prototypen, d. h. auf den lebendigen Gott! Die Menschwerdung des Sohnes Gottes
berechtigt zu einer sehr positiven Sicht der Materie, das
Ja Gottes zu Welt dank der
Inkarnation verlangt das sogar regelrecht.
Das
also waren die Argumente, die im Jahr 787 den Bilderstreit beendet haben
zugunsten der Bilderfreunde – auf dem Zweiten Ökumenischen Konzil von Nizäa, dem
Siebten Ökumenischen Konzil der Kirchen.
Ein paar Zeilen aus den Bestimmungen dieses Konzils im Jahr 787 möchte ich nun
abschließend zitieren:
Wir
definieren also mit aller Umsicht und Sorgfalt, dass die verehrenswürdigen und
heiligen Bilder…geweiht und in den heiligen Tempeln Gottes aufgestellt und in
Ehren gehalten werden sollen…
Am
meisten soll man das Bild unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus
aufstellen,
sodann
das unserer unbefleckten Herrin, der Gottesgebärerin,
ferner
der verehrungswürdigen Engel und schließlich aller Heiligen.
Es sollen
ja durch die Anschauung der Bilder alle, welche sich in sie versenken, zum
Gedächtnis, zur Verlebendigung der Prototypen gelangen wie auch zu dem Verlangen
nach ihnen, welchen sie Gruß und volle Verehrung erweisen, nicht jedoch die
eigentliche Anbetung, welche unserem Glauben gemäß allein der göttlichen Natur
zukommt.
Vielmehr
nahen wir uns den Bildern in der Form jener Verehrung, die durch die Darbringung
von Weihrauch und Kerzen gekennzeichnet ist…
Die dem
Bilde erwiesene Ehre geht auf den Prototyp, das Urbild, über. Wer also ein Bild
verehrt, der verehrt, was in ihm umschriebener Gehalt ist.
Ich
danke allen, die sich den strengen Regeln des Ikonen-Schreibens unterworfen
haben. Eure Werke, die Ikonen, sind
großartige Zeugnisse des Glaubens! Damit ihre Botschaft auf guten Boden
fällt, werden sie heute geweiht. Ich freue mich, dass ich das im Rahmen der
Langen Nacht der Kirche in der altehrwürdigen Spitalkirche „Zum Hl. Geist“ der
Salinen Austria tun darf. Amen.