3.
Adventsonntag/Sonntag Gaudete 2011-12-11:
Auf
drei Dinge muss heute in der Predigt ganz einfach eingegangen werden:
Vom Evangelium her steht Johannes der Täufer so deutlich im Zentrum, das wir an
ihm nicht vorbei kommen, schon gar nicht, wenn wir zu Christus kommen möchten.
An Johannes führt kein Weg vorbei. Dann muss etwas zur traditionellen Sammlung
der Katholischen Männerbewegung gesagt werden, die wir heute durchführen.
Drittens und nicht zuletzt möchte ich auf das Besondere dieses Sonntags
eingehen: die Freude.
1.
Zum
Ersten, zu Johannes dem Täufer und zu seiner Beziehung zu Jesus Christus:
Seine Rolle wird ja mit dem Zunamen „der
Täufer“ ebenso klar beschrieben, wie wir zu Jesus
„ Christus“ sagen. Wie aber stehen
Johannes und Jesus zueinander? Dafür gibt es den gängigen kirchlichen
Sprachjargon – und der lautet: Johannes ist der
Vorläufer des Herrn, Johannes ist der
Wegbereiter, Johannes ist Jesus
vorausgegangen und hat ihm den Weg
bereitet…
Die Sache
mit den Vorgängern und Nachfolgern ist aber eine oft sehr heikle und delikate
Sache! Wir brauchen uns dazu nur
Situationen aus der letzten Zeit vor Augen zu halten: Denken wir an die vielen
Staaten Nordafrikas nach dem sog.
„arabischen Frühling“ dieses Jahres. Denken wir an europäische Staaten wie
Italien und Griechenland. Wie schwierig ist es da in die Fußstapfen der
Vorgänger zu treten! Und wie fatal wäre es, wenn in diesen Staaten die
Nachfolger einfach in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten würden. Es wäre
furchtbar. Nachfolger werden bei uns aber immer an ihren Vorgängern gemessen!
Genau
das ist in der Bibel anders, genau das ist zwischen Johannes dem Täufer und
Jesus dem Christus anders: Da wird der
Vorgänger am Nachfolger gemessen, da wird Johannes ganz von Jesus her gesehen
und beurteilt! In der Bibel ist also einmal mehr alles anders. Das Neue
Testament ist von gläubigen Christen für
gläubige Christen geschrieben. So fair muss man sein: Wir Christen haben da
eine besondere Brille auf mit der wir Johannes sehen und beurteilen. Wir müssten
nur einen Blick in die zeitgenössische Literatur von damals machen, dann würden
wir entdecken, dass die Beschreibung von Johannes als
„Vorläufer“ dem Täufer bei weitem
nicht gerecht wird! In der zeitgenössischen Literatur ist nämlich von Johannes
mehr Notiz genommen worden als von
Jesus.
Jesus
wird sicherlich Einiges gespürt haben von diesem heiklen Auftrag, just diesem
Täufer Johannes nachfolgen zu müssen, just mit diesem ganz ungewöhnlichen und
kompromisslosen Bußprediger und Propheten verglichen zu werden. Nachfolger zu
sein, das war also gewiss auch für Jesus eine delikate Sache. Die für uns so
vertraute Rollenzuteilung „Johannes ist
Vorläufer, Jesus ist Nachfolger, Johannes ist relativ wichtig, Jesus aber ist
absolut wichtig!“ - das ist etwas, was erst Jahrzehnte später und aus
christlicher Sicht vorgenommen worden ist. Die Sache zwischen Vorgänger und
Nachfolger, zwischen Johannes und Jesus ist wohl viel spannender gewesen und
viel weniger klar, als wir es heute der Bibel entnehmen können. Klar dagegen
ist, dass an Johannes kein Weg vorbei führt. Es gibt keinen Weg zu Jesus ohne
Johannes – so fair, so klar und deutlich ist die Botschaft aller vier
Evangelien.
2.
Mein
zweiter Gedanke bezieht sich auf die heutige Sammlung an der Kirchtüre:
Seit Jahrzehnten gibt es diese traditionelle Sammlung von der KMB. Früher
hat sie Aktion „Bruder in Not“
geheißen. Heute heißt sie „Sei so frei!“
Über die KMB wird ja auch das großartige Projekt
„Ausseer Schulen für Afrika“
abgewickelt.
„Stern
der Hoffnung“ – das ist auch der Name
des Hilfsprojektes für Straßenkinder in Nairobi in Kenia. Mit unserer Spende
soll der Hunger von ca. 500 Straßenkindern gestillt werden. Möglichst viele von
ihnen sollen ein Dach über dem Kopf bekommen, v. a. die 65 Vollwaisen sollen von
den geistlichen Schwestern betreut werden, von österreichischen Schwestern, die
dort tätig sind.
Die
langjährige Leiterin aus Vorarlberg, Sr. Maria Pacis, ist im Vorjahr
verstorben. Sie hat heuer für ihr Engagement posthum den Oscar-Romero-Preis
der KMBÖ verliehen bekommen.
Unser
Diözesanbischof hat mit einem eigenen Hirtenwort dazu aufgerufen, dieses
großartige Werk der österreichischen Ordensfrauen vom Kostbaren Blut zu
unterstützen. Bischof Egon dazu wörtlich:
„Nahe am Weihnachtsfest bitte ich um
Hilfe für diese Kinder in Afrika, in denen uns auch das herbergsuchende Kind von
Betlehem begegnet.“
„Stern
der Hoffnung“ lautet das Motto der
heurigen Adventsammlung, „Stern der
Hoffnung“ heißt das Waisenheim in Nairobi: Mit unserer Spende können wir
helfen, dass den dortigen Straßen- und Waisenkindern so ein „Stern der Hoffnung“
aufgeht, dass sie wieder etwas haben, zu dem sie aufblicken können und für das
zu leben es sich lohnt.
Mit
einem Schlager vom Steirer Nik P. gesprochen, könnten wir sagen:
„Einen Stern, der deinen Namen trägt!“,
den schenk ich dir da unten, du Straßenkind in Nairobi, du Mädchen und du Bub
ohne Mutter und ohne Vater! Und damit ist dieses Waisenheim auch ein wenig
ein Stern, der meinen Namen trägt,
der unseren Namen trägt, der leuchtet, der Orientierung gibt – und der gewiss
viel Freude bereitet!
3.
„Freude“ – damit ist das Stichwort für den heutigen 3. Adventsonntag gefallen:
Sonntag gaudete, Sonntag der Freude,
der Vorfreude auf das hohe Weihnachtsfest. Schon am Marienfeiertag in dieser
Woche ist von der Freude die Rede gewesen. Der Gruß des Engel an Maria heißt
bekanntlich: „Sei gegrüßt, du Begnadete!“
Wir könnten aber genauso übersetzen:
„Freu dich, du Begnadete!“ Diakon Dr. Gerhard Stingl hat darauf in
seiner Predigt sehr schön hingewiesen. Von der Freude war heute schon im
Eröffnungsvers der Messe die Rede: „Freut
euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich euch: Freut euch! Denn der
Herr ist nahe.“ (Phil 4, 4.5)
In
der Lesung hat der Prophet Jesaja dieses Thema angesprochen:
„Er hat mich gesandt, damit ich den Armen
eine frohe Botschaft bringe… Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn.
Meine Seele soll jubeln über meinen Gott.“
Der Spaß
begnügt sich mit dem Augenblick. Die Freude aber überstrahlt das Gestern und
Morgen.
Amüsement
kann man kaufen, die Freude aber bekommt man eigentlich nur geschenkt.
Das
Vergnügen hat etwas mit Befriedigung zu tun, die Freude aber mit Glück.
Mit dem
Spaß lebt der Mensch „in sich hinein“, mit der Freude lebt der Mensch „über sich
hinaus“.
Das
Vergnügen „vertreibt“ die Zeit, die Freude aber „erfüllt“ die Zeit.
(R.
Stecher, Das Geschenk der Weihnacht, Freiburg 1991)
Nicht
nur Spaß wünsche ich uns allen, sondern viel Grund zur Freude, heute und immer
wieder im Leben! Amen.